Die US-Standardwerte im
Dow Jones haben zum Handelsschluss weiter nachgegeben und sind mit einem Verlust von 300 Punkten aus dem Handel gegangen. Der weltweit am meisten beachtete Index schloss bei 6763 Zählern und damit 4,2 % unter dem Schlussstand vom Freitag - und so niedrig wie seit April 1997 nicht mehr. Der breit gefasste
S&P 500 stoppte seine Talfahrt nicht einmal einen Zähler über der 700-Punkte-Marke, die er im Verlauf bereits kurzzeitig unterschritten hatte. Er verbuchte ein Minus von 4,7 % auf 700,82 Stellen. Der
Composite-Index der Nasdaq kam noch am glimpflichsten von den großen US-Indizes davon: Er verlor 4 % auf 1323 Punkte.
Die Talfahrt an der Wall Street setzte sich mit unverminderter Schärfe fort. Am Freitag hatten die US-Aktienmärkte den Februar mit der schwächsten Performance seit 1933 abgeschlossen. Der S&P 500 verlor 10,9 %, und büßte im laufenden Jahr 18,6 % ein – der schlechteste Jahresstart seit Beginn der Aufzeichnungen. "Die Situation ist sehr schwierig und die Wirtschaftsdaten stabilisieren sich nicht", klagte ein Marktstratege. "Das rechtfertigt die Negativspirale am Aktienmarkt."
Vor allem charttechnische Faktoren spielen bei den jüngsten Abstürzen eine entscheidende Rolle: Nachdem der S&P 500 am Freitag die wichtige Unterstützungsmarke bei 752 Zählern durchbrochen hatte, öffneten die Investoren die Schleusen und warfen ihre Aktien auf den Markt.
Alle Zeichen stehen auf Verkauf
Und das dürfte so bleiben: Mary Ann Bartels, eine technische Analytin bei Merrill Lynch, erwartet innerhalb der nächsten Tage weitere Verluste von 10 %, sollte sich der S&P 500 nicht bald erholen. Sie hält einen Sturz auf bis zu 665 Punkte für wahrscheinlich. Auch bei den anderen Indizes bietet sich charttechnisch ein düsteres Bild.
Woher die Erholung ihre Kraft nehmen soll, ist ungewiss: "Nach den Nachrichten zur
Citigroup ist die Einschätzung entstanden, dass das amerikanische Finanzsystem taumelt und entweder weiter Staatshilfen braucht oder sogar komplett verstaatlicht werden muss", sagte ein Analyst.
Neuen Negativschlagzeilen aus dem Finanzsektor steigerten die Ängste noch: Der taumelnde Versicherungskonzern
AIG fuhr im vergangenen Vierteljahr mit 61,7 Mrd. $ den größten Verlust der Wirtschaftsgeschichte ein. Ein einsamer Rekord: Kein Unternehmen schaffte es bislang, mehr Geld innerhalb von drei Monaten zu vernichten. Spitzenreiter war bisher der Medienkonzern Time Warner, der 2002 in einem Quartal 54 Mrd. $ verlor, als er die Internettochter AOL komplett abschrieb.
AIG gab bekannt, dass sich das Minus im Gesamtjahr auf 99,3 Mrd. $ belaufe. Angesichts der Verluste rettet die US-Regierung den Versicherer zum dritten Mal vor der Pleite. US-Finanzministerium und Notenbank erklärten, dem ehemaligen Weltmarktführer erneut bis zu 30 Mrd. $ zuzuschießen. Die Regierung in Washington pumpte bereits 150 Mrd. $ in den Konzern.
Die sich abzeichnende weitere Rettungakation bescherte zunächst den AIG-Anlegern ein Plus von fast 10 % bei ihrem Papier. Zur Schlussglocke an der Wall Street war der Wert allerdings auf das Vortagesniveau von 42 Cent zurückgefallen. Dafür wurden andere Finanzwerte übel in Mitleidenschaft gezogen:
Bank of America büßte 8 % Prozent ein,
JP Morgan stürzte um 7,4 % ab und
Goldman Sachs verbilligte sich um 5,3 %.