Der amerikanische Häusermarkt gibt weiterhin Grund zur Sorge: Der S&P/Case Shiller-Index für den März, der Hauspreise in 20 Großstädten in den USA misst, im Vergleich zum Vorjahresmonat um 14,4 Prozent. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Rückgang um 14,2 Prozent gerechnet. Die Neubauverkäufe im April legten dagegen wider Erwarten um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat auf annualisiert 526.000 zu. Allerdings ist der Anstieg auf die heftige Revision der Märzzahlen zurückzuführen. Mit 509.000 statt 526.000 sind diese so tief wie seit 17 Jahren nicht mehr.
Für die US-Verbraucher sind das schlechte Nachrichten. Nicht nur drücken fallende Hauspreise auf das Budget. Auch steigende Energie- und Lebensmittelpreise setzen den Amerikanern zu. Das spiegelt sich im Verbrauchervertrauen im Mai wider. Das wichtige Konjunkturbarometer des unabhängigen Forschungsinstituts Conference Board fiel mit 57,2 auf den tiefsten Stand seit 1992. "Per saldo weisen die veröffentlichten US-Daten auf die schwierige Situation der US-Konjunktur hin. Erwartungen, wonach der nächste Zinsschritt der US-Notenbank eher nach oben denn nach unten gerichtet ist, dürfte durch diese Zahlen nicht verstärkt werden", sagte Ulrich Wortberg, Analyst der Helaba.
Auch bei den Börsianern stand die Zinsüberlegung im Mittelpunkt. Der Dax übersprang zeitweise die 7000-Punkte-Markte. Der S&P 500 legte um 0,4 Prozent zu.
Unterdessen stemmt sich die US-Politik gegen die Häuserkrise. Der Kongress stimmte bereits einem Gesetz zu, nach dem die US-Wohnungsbehörde FHA bis zu 300 Mrd. $ neue Darlehen garantieren soll. Zudem wurden die Kapitalauflagen für die beiden quasi-staatlichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac deutlich gelockert.
Die Daten fügen sich nahtlos in eine Reihe enttäuschender Nachrichten vom US-Häusermarkt ein. Die Zahl der wiederverkauften Häuser im April ging um 1,0 Prozent auf annualisiert 4,89 Millionen zurück. Aufgrund steigender Zahlungsausfälle haben die Banken die Kreditauflagen verschärft, was den Immobilienkauf erschwert. Zudem halten sich potenzielle Käufer zurück, weil sie mit weiteren Preisrückgängen rechnen. Das Office of Federal Housing Enterprise Oversight (Ofheo), das für die Aufsicht von Fannie Mae und Freddie Mac zuständig ist, vermeldete am vergangenen Mittwoch einen Rückgang der Hauspreise um 1,7 Prozent. Das ist das höchste Minus, seitdem die Behörde diesen Index berechnet. Im Vergleich zur Vorjahresperiode haben die Hauspreise damit um 3,1 Prozent nachgegeben.
Auch die US-Notenbanker sorgen sich um den Hausmarkt. "Die Möglichkeit, dass die Häuserpreise stärker fallen könnten als erwartet, wurde als erhebliches Risiko für den Ausblick für Wachstum und Beschäftigung angesehen", heißt es in dem am Mittwochabend vergangene Woche veröffentlichten Protokoll der Zinssitzung von Ende April. Laut der US-Zentralbank Fed würde das vor allem die Wohnungsbauinvestitionen und den Konsum belasten.
Bereits die bisherige Schwäche am Häusermarkt war für die US-Notenbanker der Hauptgrund, die Wachstumsprognose für 2008 nach unten zu setzen und eine höhere Arbeitslosigkeit zu prognostizieren. Sie sagen statt 1,3 bis 2,0 Prozent nur noch 0,3 bis 1,2 Prozent Wachstum voraus. Zudem werde die Arbeitslosenquote von derzeit 5,0 auf 5,5 bis 5,7 Prozent steigen.
In ihrem Protokoll betonten die Notenbanker, sie sähen am Häusermarkt bislang "kaum Hinweise für eine Bodenbildung - weder bei der Hausbauaktivität noch bei den Preisen". Die Probleme am Hausmarkt dürften sich noch länger hinziehen, sagte auch Patrick Franke, US-Experte der Commerzbank. Lehman-Brothers-Volkswirtin Meyer und ihr Kollege Ethan Harris erwarten gar, dass die Hauspreise bis Ende 2009 im Vergleich zu Ende 2007 um 15 bis 20 Prozent fallen werden. Fannie Mae-Vorstandschef Daniel Mudd sagte, er rechne für das komplette laufende und auch für das kommende Jahr mit "harten Marktbedingungen".