Demnach zählen Oberbayern und Stuttgart zu jenen Regionen, in denen besonders viele Bewohner als unterversorgt gelten. Andererseits haben etwa der Regierungsbezirk Dessau in Sachsen-Anhalt und das Saarland extrem niedrige Quoten.
Studienleiter Bernd Raffelhüschen begründet dies mit zwei Phänomenen. Zum einen ist es für Spitzenverdiener besonders schwierig, so große Summen aus gesetzlicher plus staatlich geförderter Altersversorgung aufzubauen, dass sie ihr Einkommen auch nur annähernd halten können. Zum anderen werden Ruheständler in Ostdeutschland, wo viele arme Regionen liegen, bei der gesetzlichen Rente tendenziell besser behandelt. Im Zuge der Wiedervereinigung wurde festgelegt, dass die damaligen DDR-Bewohner pro Arbeitsjahr eine höhere Rentenanwartschaft bekommen als Westbürger. Das absolute Rentenniveau ist im Osten aber trotzdem niedriger.
Den "Vorsorgeatlas Deutschland" hatte Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, in Auftrag gegeben. Raffelhüschen sprach von einem Projekt, das es so bislang noch nicht gegeben habe. Sein Team brach Deutschlands Altersversorgung bis auf die Ebene von Regierungsbezirken herunter. Wo es eine solche Einteilung nicht gibt, wurden künstliche Regionen geschaffen, etwa in Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern. Erfasst ist, welches Einkommen die 20- bis 65-Jährigen aus gesetzlicher plus staatlich geförderter Altersversorgung erwarten können. Als unterversorgt gilt, wer voraussichtlich weniger als 60 Prozent seines letzten Bruttoeinkommens erhält.
Studie ignoriert Einkommen aus Immobilien
Die Studie leidet darunter, dass Einkommen aus Geldvermögen und Immobilien außen vor bleiben. Zur Begründung hieß es, der Reichtum in Deutschland sei so ungleich verteilt, dass Durchschnittszahlen die Statistik extrem verfälschen würden. Bis zur Neuauflage des Atlas, die für nächstes Jahr geplant ist, soll dieses Problem gelöst sein.
Als "überraschend" bezeichnete Raffelhüschen die Erkenntnis, dass in vielen wohlhabenden Bereichen Westdeutschlands die Riester-Rente nur wenig Verbreitung finde. Dort sei die betriebliche Altersversorgung (BAV) stark vertreten. Umgekehrt sei Riester in Ostdeutschland besonders beliebt, während die BAV schwächele. Möglicherweise ersetze die eine Form der staatlich geförderten privaten Vorsorge die andere, meinte Raffelhüschen.
Diese Erkenntnis will Union-Vorstand Hans Joachim Reinke für den Vertrieb nutzen. Der Marktführer bei Riester-Fondssparplänen werde versuchen, in Gebieten mit wenig Riester-Geschäft mehr herauszuholen. Eine breit angelegte Kampagne sei für den Herbst geplant.