Am vergangenen Wochenende hat Paulson die Bazooka in Richtung Fannie Mae und Freddie Mac abgefeuert. Damit hat er sein Pulver verschossen. Für die angeschlagene Investmentbank Lehman Brothers könnte nun die Munition fehlen.
Die Wall Street schlittert derweil von einer Krise in die nächste. Wie legen in einem solchen Umfeld die Profis auf dem Parkett ihr Geld an? Er habe gerade sein 30. Lebensjahr hinter sich und einen entsprechend langfristigen Anlagehorizont, erzählt ein Trader. Der Markt spiele seit Monaten jedoch derart verrückt, dass er zurzeit keine neuen Investitionen tätige. Investmentfonds, da habe er sein Geld deponiert, sagt sein Kollege. Er bleibe jetzt passiv und warte ab, wo seine Anlagen in zehn Jahren stehen. Aktien kaufen, sich schlafen legen und dann in einigen Jahren nach dem Rechten sehen - das klingt nach einer altbekannten Börsenweisheit.
Ein anderer Händler geht ultra-short auf US-Staatsanleihen. Ja, das sei eine deutliche Wette gegen die derzeitige Regierung. Er gehe davon aus, dass Obama die Wahlen gewinnt, und dass die Demokraten den Staatshaushalt wieder bändigen werden. Grundsätzlich habe er seine Investitionen fifty-fifty auf Aktien und Bonds verteilt. Auch ein Händler in einem der großen elektronischen Handelsräume berichtet, dass seine Kollegen auf "Ultras" setzen. Über Hebel wetten sie gegen den Markt. Verliert der Markt 100 Punkte, gewinnen sie 200. Entsprechend hoch ist allerdings das Risiko. Aber hier geht es letztlich um das Bauchgefühl.
Doch wer geht aktiv und aggressiv in Aktien? Zurzeit bestimmt eher die Skepsis die Anlagestrategie. Er habe gerade alles verkauft und sich dabei von seinen Emotionen leiten lassen, sagt Teddie, der seit über 40 Jahren auf dem Parkett arbeitet. Egal, wie er sich zuletzt entschieden habe, der Markt habe immer das Gegenteil getan. Erstmals habe er deshalb seinen Gefühlen freien Lauf gelassen.
Zunehmender Pessimismus gilt als Indikator, dass die Börsenzeiten besser werden. In Teddies Ausverkauf steckt somit auch ein kleiner Hoffnungsschimmer.
Jens Korte schreibt als Wall-Street-Korrespondent für die FTD.