Im Mai vergangenen Jahres sprang Barry Fox, der neun Jahre für Bear Stearns gearbeitet hatte, aus seiner Wohnung im 29. Stock. Das geschah kurz nachdem Fox erfahren hatte, dass er nicht von JP Morgan übernommen wird. Im September stürzte sich der Chef einer Private-Equity-Firma in Großbritannien vor einen Zug. Im November erschoss sich in Brasilien ein Trader auf dem Parkett der Börse in São Paulo. Im Dezember nahm sich in den USA der Hedge-Fonds-Manager Eric Von der Porten das Leben. Und zwei Tage vor Weihnachten schnitt sich René-Thierry Magon de la Villehuchet in seinem Büro an der Madison Avenue in Manhattan die Pulsadern auf. Das Büro lag nur einige Blocks von der Wohnung von Bernard Madoff entfernt. Villehuchet hatte etwa 1,5 Mrd. $, sein Vermögen und das vieler Freunde und Familienmitglieder, bei dem Madoff-Betrug verloren.
Nun muss der persönliche Bankrott nicht der einzige Grund für die Verzweiflungstaten sein. Doch unweigerlich drängen sich Bilder aus den 30er-Jahren auf, als zahlreiche Investoren nur noch einen Ausweg sahen: den Weg aus dem Bürofenster. "Es ist eigentlich nicht typisch amerikanisch, Selbstmord zu begehen", sagt Charles Geisst, Finanzprofessor und Historiker am Manhattan College. Das gelte hierzulande eher als unmännlich. Zu Beginn der Großen Depression 1929 seien es auch nicht Hunderte Investoren gewesen, die sich das Leben nahmen, sondern etwa ein Dutzend Händler, die aus dem Fenster sprangen. Und auch beim großen Crash 1987 hätte es keine Selbstmordwelle gegeben. "Da gab es eher Berichte, dass Investoren versuchten, ihre Stockbroker zu erschießen", erzählt Geisst.
Das mag beruhigend klingen, ändert aber nichts daran, dass die Stimmung an der Wall Street nach wie vor sehr angespannt ist. Viele, vor allem jüngere Broker sind von den Dimensionen der Finanzkrise völlig überrollt worden. Für sie ist schon die kleinste positive Meldung wie ein Hoffnungsschimmer.