Jetzt hat der Dow diese Marke erneut erreicht, doch Partylaune will nicht aufkommen. Wie sich die Stimmung doch ändert. Vor einem Jahr, als der Index die 10.000 Punkte nach unten durchbrach, hatten die Händler auf dem Parkett das Gefühl, das Ende der Wall Street zu erleben. In diesen Tagen halten sich die Emotionen in Grenzen. Halt, nicht ganz. Wie die "New York Post" berichtet, hat sich Bernie Madoff auf dem Gefängnishof geprügelt. Dabei soll es laut Augenzeugen um unterschiedliche Auffassungen zum Aktienmarkt gegangen sein. Der 71-jährige Finanzbetrüger soll von einem ebenfalls betagten Mithäftling geschubst worden sein. Daraufhin stieß Madoff den Kontrahenten zu Boden.
Es zahlt sich halt aus, auf alle Lebenslagen gut vorbereitet zu sein. Madoff hatte vor Antritt seiner Haftstrafe einen Berater angeheuert, der ihm in einem Crashkurs Tipps zum Überleben hinter Gittern mit auf den Weg gab. Madoff scheint ohnehin en vogue zu sein. Halloween steht vor der Tür, und zu den Verkaufsschlagern gehören neben Michael-Jackson-Kostümen die Gummimasken mit dem Konterfei des Milliardenbetrügers. Doch zurück zum Marktgeschehen: Es ist nicht überliefert, wie Madoff die aktuelle Marktlage einschätzt.
Die atemberaubende Rally der vergangenen sieben Monate hat einigen Finanzexperten die Sprache verschlagen. So hat die Ertragssaison mit Zahlen aus dem Bankensektor vielversprechend begonnen. Doch wie nachhaltig ist das Wachstum? Was passiert, wenn Washington die Stützräder abmontiert, die Notenbank der Wall Street kein Geld zum Nulltarif mehr zur Verfügung stellt, und die Konjunkturprogramme der US-Regierung auslaufen? Das wird vermutlich im Frühjahr 2010 der wahre Test für die Aktienmärkte werden. Bis dahin können sich Investoren mit Masken von Madofff oder Sarah Palin (auch ein Topseller) gegenseitig einen Schrecken einjagen.
Jens Korte schreibt als Wall-Street-Korrespondent für die FTD.