Als London bombardiert wurde, mussten die Lichter auch ausgeschaltet werden, fordert ein Analyst ein hartes Vorgehen. Und die US-Börsenaufsicht SEC hat ebenfalls die Verursacher für die Marktturbulenzen ausgemacht. Die Rede ist von Shortsellern - Investoren, die auf fallende Kurse setzen.
Das ist eine regelrechte Hexenjagd geworden, wundern sich selbst die Händler auf dem Parkett, die traditionell keine großen Freunde der Leerverkäufer sind. Den Shorts wird vorgeworfen, maßgeblich für die Bankenkrise und den Kollaps der Investmentbank Bear Stearns verantwortlich zu sein. Mit gezielt gestreuten Gerüchten sollen sie den Kursrutsch der Banken ausgelöst haben. Shorts leihen sich Aktien, um sie zu einem späteren Zeitpunkt zurückzukaufen. Je tiefer der Kurs zum Zeitpunkt des Rückkaufs gefallen ist, desto höher der Gewinn.
Das ist doch lächerlich, hier die Schuldigen zu suchen, lästert ein Händler, der seit über 30 Jahren auf dem Parkett arbeitet. "Ja klar, wenn du daran glaubst, dass Shortseller für die Probleme der Banken verantwortlich sind, dann glaubst du wahrscheinlich auch an Hexen, Feen und Kobolde." Hier werden die Überbringer schlechter Nachrichten an den Pranger gestellt, lautet ein anderer Kommentar. Als der Enron-Skandal die Wall Street erschütterte, waren die Wetten der Shorts die ersten Vorboten, dass bei dem Energieversorger nicht alles mit rechten Dingen zuging. Einen Beliebtheitspreis werden sie mit ihrer Strategie vermutlich zwar nicht so schnell gewinnen, aber das macht sie doch noch lange nicht zum Auslöser der Krise.
Die SEC hat nun in einem jüngsten Vorstoß eine Liste mit 19 Finanzinstituten erstellt, die vor ruchlosen Leerverkäufern geschützt werden sollen. Dazu gehören neben den Hypothekenfinanzierern Fannie und Freddie auch Broker wie Merrill Lynch und Lehman Brothers oder Banken wie die Citigroup und UBS. Dass Banken selbst im Shortselling-Geschäft ordentlich mitmischen, scheint bei der SEC nicht weiter ins Gewicht zu fallen. Derweil hat der amerikanische Präsident seine eigene Erklärung für die jüngsten Turbulenzen. Die Wall Street sei regelrecht betrunken gewesen, erklärte George W. Bush kürzlich auf einem Fund Raiser. Jetzt habe die Wall Street einen ordentlichen Kater. Die Frage sei nur, wie lange es dauert, nüchtern zu werden und nicht weiter mit abenteuerlichen Finanzinstrumenten zu hantieren. Ganz unrecht hat der scheidende Präsident in diesem Punkt nicht.
Jens Korte schreibt als Wall-Street-Korrespondent für die FTD.