An dieser Stelle berichtet Jens Korte, einer der bekanntesten deutschen Wall-Street-Reporter, jede Woche exklusiv für die FTD von der wichtigsten Börse der Welt.
In Amerika wird der höchste nationale Feiertag zelebriert. Vor 232 Jahren erklärten die USA ihre Unabhängigkeit. Doch die Feierlichkeiten werden diesmal magerer ausfallen als in den Vorjahren. von Jens Korte
Vier Prozent ihres versteuerten Einkommens müssen Amerikaner derzeit für Sprit ausgeben. Die Rate lag zuletzt Anfang der 80er-Jahre auf diesem Niveau. 2007 kostete die Gallone (3,785 Liter) Benzin noch 2,92 $. Heute müssen Autofahrer 4,04 $ bezahlen. In einer Umfrage gaben knapp 60 Prozent der Befragten an, den Gürtel für die Party in diesem Jahr enger zu schnallen.
Auch an der Wall Street hat die Stimmung einen Tiefpunkt erreicht. Eigentlich verschwinden die Händler freitags so schnell wie möglich ins Wochenende. Um kurz nach vier finden sich nur noch die Reinigungskräfte auf dem Parkett. Doch in diesen Tagen versammeln sich die Händler zu Börsenschluss an den einzelnen Ständen, um den Tag zu verdauen. Mit den Kursabschlägen in dieser Woche hat die Wall Street offiziell Bärenterritorium erreicht. Über 20 Prozent hat der Dow von seinem Rekordstand im Oktober 2007 eingebüßt. Um 10,2 Prozent sind die Blue Chips allein im vergangenen Monat eingebrochen. Damit war dieser Juni der schlechteste seit der Großen Depression.
Jetzt sei der Zeitpunkt zum Einstieg gekommen, der Markt sei überverkauft, verkünden die Börsensender in den USA. In den 33 Bärenjahren seit 1900 haben Blue Chips durchschnittlich 26,9 Prozent abgegeben. Da bleibt noch Spielraum nach unten. In einigen Branchen wedeln die Analysten bereits mit der weißen Fahne. Es sei an der Zeit, sich von General Motors zu verabschieden, rät etwa Merrill Lynch. Vor einem Jahr notierte das Papier noch um die 40 $. Heute steht die Aktie unter 10 $ und damit auf dem tiefsten Stand seit Anfang der 50er-Jahre. Alles andere als Spaß werden in den nächsten Monaten die Geschäftsberichte der Investmentbanken bereiten, unkt Howard Silverblatt von Standard & Poor's. Irgendwann wird der Markt sicher überverkauft sein. Doch der Zeitpunkt ist noch nicht unbedingt gekommen.
Jens Korte schreibt als Wall-Street-Korrespondent für die FTD.
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