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Merken   Drucken   17.06.2011, 10:01 Schriftgröße: AAA

Wall Streeter: Warten auf den großen Knall

Fast schon gelassen blickt die Wall Street auf das Desaster in Griechenland. Es sei doch nur noch eine Frage der Zeit, dass der Staat an der Euro-Randzone zahlungsunfähig wird, heißt es auf dem Parkett. von Jens Korte
Denn um vorauszusagen, dass die Griechen in den kommenden zwölf Monaten die Schulden nicht mehr bedienen können, brauche man keine Kristallkugel.
Jens Korte schreibt als Wall-Street-Korrespondent für die FTD   Jens Korte schreibt als Wall-Street-Korrespondent für die FTD
Ganz spurlos gehen die Ereignisse an den Märkten nicht vorbei, dennoch gibt es keine Panik. Die setzt an der Wall Street für gewöhnlich dann ein, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Aber die strukturellen Probleme Griechenlands und der Euro-Zone dürften an den Märkten kaum noch jemanden unvorbereitet treffen. In New York laufen bereits die ersten Wetten, wer von einem möglichen Ende des Euro profitieren könnte. Die D-Mark würde, so einige Stimmen, zu einer der stärksten globalen Währungen aufsteigen. Das würde auf die deutschen Exporte drücken.
Wer treibt die Griechen in die Pleite?

 

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Deshalb der Rat der Euro-Pessimisten: Hände weg vom DAX und rein in deutsche Anleihen. Für US-Banken hingegen könnte es schwer werden, denn auch dort haben sich inzwischen griechische Schulden in beträchtlicher Höhe angehäuft.
Wie sehr sich die Bilder doch gleichen. Vor ziemlich exakt einem Jahr hatten die Proteste in Athen die Kurse gedrückt. Von April bis Juli verlor der Dow Jones rund 14 Prozent. Seit Ende April dieses Jahres ging es mit Blue Chips rund sieben Prozent nach unten. Im vergangenen Jahr folgte dann ab August der Aufschwung an den Märkten.
Nur, der Unterschied zur Situation vor zwölf Monaten ist: Im Sommer 2010 hatte Notenbankchef Ben Bernanke mit QE2 (Quantitative Easing) zugesichert, weitere 600 Mrd. Dollar in den Markt zu pumpen. Und US-Präsident Barack Obama hatte gegen Ende des Jahres mit der Ankündigung, die Steuererleichterungen seines Vorgängers zu verlängern, für weiteren Auftrieb an der Börse gesorgt.
Ohne Hilfe aus Washington dürfte es für die Aktienmärkte schwer werden, einen ähnlichen Turnaround wie 2010 zu schaffen. Doch da ist auch noch die Schuldenkrise im eigenen Land. Ein Händler meinte lapidar: Wenn Griechenland Inseln verkaufen muss, um sein Schuldenproblem zu lösen, dann sollten sich die USA mindestens damit abfinden, Hawaii zu verhökern.
  • FTD.de, 17.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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