Richard ist zurück. Diese Woche wurde er wieder einmal an der New Yorker Börse gesichtet. Bei immer noch rund 1000 Brokern, Spezialisten und Clerks auf dem Parkett kann es schon mal vorkommen, dass man sich einige Tage nicht sieht.
Doch Richard trägt einen Besucherausweis am Jackett. Immerhin den roten Ausweis mit einem großen V wie Visitor. Das ist für die, die es auf das Parkett schaffen - dank guter Kontakte innerhalb der New York Stock Exchange (NYSE). Vor sieben Jahren war das noch anders. Vor den Terroranschlägen vom 11. September brauchten Touristen nur Geduld, um etwa eine halbe Stunde später von der Besuchergalerie hautnah das Treiben auf dem größten Handelsparkett der Welt mitzuerleben. Doch damit ist Schluss. Zu groß sei das Restrisiko möglicher Anschläge, so die Begründung für den Ausschluss der Touristen und Börsenfans.
Richard ist aber kein Tourist, sondern ein alter Bekannter. Hat der Wall-Street-Veteran nur seinen Börsenausweis vergessen? Nein, er arbeite nicht mehr hier. Also der verdiente Ruhestand mit Mitte 60? Nein, er wurde kurzerhand vor die Tür gesetzt. Auf dem Parkett werde einfach nicht mehr so viel gehandelt wie einst.
Richard ist nicht irgendein Händler. Er arbeitet seit 45 Jahren auf dem Parkett - und hat viel erlebt: Börsencrashs, Rekorde wie die 14.000 Punkte im Dow, das Platzen der Internetblase, Terroranschläge und zwölf Wechsel an der Börsenspitze.
Nur John Thain, den heutigen Vorstandsvorsitzenden von Merrill Lynch, hat Richard nicht überlebt. Thain, der 13. Börsenchef, unter dem er "diente", leitete mit seinen Reformplänen vor vier Jahren das Ende vom Parketthandel ein. 2007 zog Thain weiter zu Merrill Lynch und ist heute mit einem geschätzten Vergütungspaket von 83 Mio. $ der Topverdiener unter den CEOs amerikanischer Konzerne.
Richard sucht einen neuen Job. Ob er sich nicht einfach zur Ruhe setzen will? Da machen sich die Leute falsche Vorstellungen, was sich auf dem Parkett der Wall Street in den vergangenen Jahren verdienen ließ. Nein, er sucht jetzt eine neue Stelle. Richard wird nicht der letzte Veteran bleiben, der mit einem Besucherausweis an die Börse zurückkehrt.
Jens Korte schreibt als Wall-Street-Korrespondent für die FTD.