FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Marktberichte Aktien » Wenn die Affen tanzen
Merken   Drucken   23.11.2012, 14:26 Schriftgröße: AAA

Wall Streeter: Wenn die Affen tanzen

Die Mutter des Milliardärs Steven Cohen sagte immer: "Money makes the monkey jump". Das Vermögen ihres Sohnes beläuft sich auf 8 Mrd. Dollar. Die er verlieren könnte, wenn sich heraustellt, dass er doch mehr über den wohl lukrativsten Insidertipp in der Geschichte der Wall Street wusste als bekannt.
© Bild: 2012 Reuters/LUCAS JACKSON
Die Mutter des Milliardärs Steven Cohen sagte immer: "Money makes the monkey jump". Das Vermögen ihres Sohnes beläuft sich auf 8 Mrd. Dollar. Die er verlieren könnte, wenn sich heraustellt, dass er doch mehr über den wohl lukrativsten Insidertipp in der Geschichte der Wall Street wusste als bekannt.
von Jens Korte

Da sitzt der Arme nun in seinem 3000-Quadratmeter-Anwesen im Nobelort Greenwich. Steven Cohen hat schon einiges hinter sich. Dazu gehört die Scheidung von seiner ersten Frau Patricia. Bei dem sich anschließenden, langjährigen Rechtsstreit hatte er seine Ex auch schon mal als Terroristin bezeichnet, deren Mission einzig und allein darin bestehe, ihm das Leben zur Hölle zu machen.

Seit Jahren kommen regelmäßig Spekulationen auf, dass die amerikanischen Behörden dem milliardenschweren Hedge-Fonds-Star das Handwerk legen wollen. Es ist nicht erwiesen, dass Cohen gegen Gesetze verstoßen hat. Doch sein Händchen bei Finanzgeschäften scheint zu gut um wahr zu sein.

Was wird Steven Cohen jetzt wohl über die jüngsten Entwicklungen denken? Das FBI ist dem 56-Jährigen wieder etwas näher auf den Pelz gerückt. In dem möglichwerweise lukrativsten Fall von Insiderhandel in der Geschichte der Wall Street taucht plötzlich auch Stevies Name auf. Am Dienstag dieser Woche wurde Mathew Martoma vom FBI abgeführt. Der Mann wurde in seinem Haus in Florida festgenommen. Der Mann sprenge alle Dimensionen, sagte US-Bundesstaatsanwalt Preet Bharara.

Der Portfoliomanager Martoma, der für eine Tochtergesellschaft von Cohen tätig war, soll im Sommer 2008 mit Insiderinformationen rund 276 Mio. Dollar (214 Mio. Euro) kassiert haben. Und ein Großteil des Geldes soll zu Steven Cohens Anwesen in Greenwich geflossen sein.

Wie lief der Deal nun ab? Martoma hatte, so der Vorwurf, Informationen über ein Alzheimer-Mittel, das in einer Testphase schwache Ergebnisse zeigte. Bevor die Öffentlichkeit davon erfuhr, wurden die Positionen bei dem Hedge-Fund bereinigt. Damit nicht genug, ging Martoma noch short auf die Aktien der betroffenen Pharmfirmen. Das heißt, er schloss Wetten gegen das Mittel und die Pharmafirmen ab. Es könnte sich um den "lukrativsten Insidertipp aller Zeiten" gehandelt haben, sagte Staatsanwalt Bharara.

Die große Frage lautet nun: Was hat Cohen gewusst? Und: Was davon kann das FBI ihm beweisen? In den Wall-Street-Foren wird Steven Cohen bereits mit Lance Armstrong verglichen. Wie der Radrennfahrer habe Cohen ein dichtes Netz aufgebaut, in dem sich niemand traute, den ersten Stein zu werfen. Wird sich das jetzt möglichweise ändern, wenn Martoma den Anfang macht, um für sich eine mildere Strafe auszuhandeln? Könnte sein, aber leicht wird das nicht.

Cohens Mutter, die auch Patricia hieß, soll immer gesagt haben: Money makes the monkey jump. Heute wird Cohens Vermögen auf 8 Mrd. Dollar geschätzt. Damit kann er immer noch viele Affen tanzen lassen. Doch es mehren sich die Stimmen, dass Cohen - wie kürzlich Armstrong seine sieben Tour-de-France-Titel - alles verlieren könnte. Denn sollten sich die Vermutungen bestätigen, drohen ihm Haft und Geldstrafe.

Jens Korte schreibt als Wall-Street-Korrespondent für die FTD.

  • FTD.de, 23.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler