Da sitzt der Arme nun in seinem 3000-Quadratmeter-Anwesen im Nobelort Greenwich. Steven Cohen hat schon einiges hinter sich. Dazu gehört die Scheidung von seiner ersten Frau Patricia. Bei dem sich anschließenden, langjährigen Rechtsstreit hatte er seine Ex auch schon mal als Terroristin bezeichnet, deren Mission einzig und allein darin bestehe, ihm das Leben zur Hölle zu machen.
Seit Jahren kommen regelmäßig Spekulationen auf, dass die amerikanischen Behörden dem milliardenschweren Hedge-Fonds-Star das Handwerk legen wollen. Es ist nicht erwiesen, dass Cohen gegen Gesetze verstoßen hat. Doch sein Händchen bei Finanzgeschäften scheint zu gut um wahr zu sein.
Was wird Steven Cohen jetzt wohl über die jüngsten Entwicklungen denken? Das FBI ist dem 56-Jährigen wieder etwas näher auf den Pelz gerückt. In dem möglichwerweise lukrativsten Fall von Insiderhandel in der Geschichte der Wall Street taucht plötzlich auch Stevies Name auf. Am Dienstag dieser Woche wurde Mathew Martoma vom FBI abgeführt. Der Mann wurde in seinem Haus in Florida festgenommen. Der Mann sprenge alle Dimensionen, sagte US-Bundesstaatsanwalt Preet Bharara.
Der Portfoliomanager Martoma, der für eine Tochtergesellschaft von Cohen tätig war, soll im Sommer 2008 mit Insiderinformationen rund 276 Mio. Dollar (214 Mio. Euro) kassiert haben. Und ein Großteil des Geldes soll zu Steven Cohens Anwesen in Greenwich geflossen sein.
Wie lief der Deal nun ab? Martoma hatte, so der Vorwurf, Informationen über ein Alzheimer-Mittel, das in einer Testphase schwache Ergebnisse zeigte. Bevor die Öffentlichkeit davon erfuhr, wurden die Positionen bei dem Hedge-Fund bereinigt. Damit nicht genug, ging Martoma noch short auf die Aktien der betroffenen Pharmfirmen. Das heißt, er schloss Wetten gegen das Mittel und die Pharmafirmen ab. Es könnte sich um den "lukrativsten Insidertipp aller Zeiten" gehandelt haben, sagte Staatsanwalt Bharara.
Die große Frage lautet nun: Was hat Cohen gewusst? Und: Was davon kann das FBI ihm beweisen? In den Wall-Street-Foren wird Steven Cohen bereits mit Lance Armstrong verglichen. Wie der Radrennfahrer habe Cohen ein dichtes Netz aufgebaut, in dem sich niemand traute, den ersten Stein zu werfen. Wird sich das jetzt möglichweise ändern, wenn Martoma den Anfang macht, um für sich eine mildere Strafe auszuhandeln? Könnte sein, aber leicht wird das nicht.
Cohens Mutter, die auch Patricia hieß, soll immer gesagt haben: Money makes the monkey jump. Heute wird Cohens Vermögen auf 8 Mrd. Dollar geschätzt. Damit kann er immer noch viele Affen tanzen lassen. Doch es mehren sich die Stimmen, dass Cohen - wie kürzlich Armstrong seine sieben Tour-de-France-Titel - alles verlieren könnte. Denn sollten sich die Vermutungen bestätigen, drohen ihm Haft und Geldstrafe.
Jens Korte schreibt als Wall-Street-Korrespondent für die FTD.