Die Politik hält noch schützend die Hand über sie, doch der Kollaps ist nicht mehr aufzuhalten. Falsch! Die Rede ist nicht von der amerikanischen Finanz-, sondern von der US-Stahlindustrie Ende der 1970er-Jahre. Und doch gibt es durchaus Parallelen zur Situation an der Wall Street.
Selbst überdurchschnittlich entlohnte Topmanager von Dax-Unternehmen können von den Gehaltspaketen, die Führungskräfte bei
Merrill Lynch oder
Goldman Sachs beziehen, nur träumen. Seit dem Zusammenbruch der Wall Street gibt es keine klassischen Investmentbanken mehr. Und Präsidentschaftskandidat
John McCain erhält massive Zuwendungen aus der Finanzindustrie für den Fall, dass er ins Oval Office im Weißen Haus einziehen sollte (
Barack Obama übrigens auch).
Die Zentralen der großen amerikanischen Banken werden voraussichtlich nicht so lange brachliegen wie die Stahlmühlen im Bundesstaat Pennsylvania. Doch die Finanzindustrie, wie wir sie kennen, könnte genauso vom Aussterben bedroht sein wie vor rund 20 Jahren die metallverarbeitende Branche. Kritiker könnten jetzt einwenden: Na gut, der Markt wird sich selbst regulieren. Lasst ruhig einige Banken sterben, dann werden andere Institute in die Bresche springen. Nur, die Welt hat sich in den vergangen Jahrzehnten stark verändert. Ohne Kapital kein Kapitalismus. Vor 20 bis 30 Jahren hing die Volkswirtschaft noch zu etwa zehn Prozent von der Finanzindustrie ab. Heute sind es eher 30 bis 35 Prozent.
Insofern geht die Finanzkrise jeden an, auch wenn ein Freund mir neulich von Luft und Liebe vorschwärmte, die es immer geben werde - fernab aller Finanzkrisen und Bankenzusammenbrüche.
"Weißt du, wer für all das zahlen muss?", fragte mich gestern eine der Sicherheitskräfte vor der Börse und zeigte dabei auf die andere Straßenseite. Dort lief gerade eine Gruppe Kindergartenkinder vorbei.