Anleger müssen sich diese Woche auf Enttäuschungen durch die Notenbanken und die Politik einstellen. Denn viele Strategen rechnen eher nicht mit drastischen oder richtungweisenden geldpolitischen Schritten der Währungshüter bei den Sitzungen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am Mittwoch und der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. "Es ist unwahrscheinlich, dass die Fed nächste Woche schon handeln wird", sagt Mark Luschini, Chef-Investmentstratege vom Finanzdienstleister Janney Montgomery Scott. "Viel wahrscheinlicher ist die Ankündigung eines Anleihekaufprogramms im September." Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Francois Hollande versicherten zwar am Freitag wie zuvor schon EZB-Chef Mario Draghi, alles zu tun, um die Euro-Zone zu schützen. Sie schürten damit Spekulationen über eine neue Rettungsaktion.
Draghi hatte am Donnerstag Euphorie an den Märkten ausgelöst. Die Rendite zehnjähriger spanischer Bonds fiel erstmals seit dem 19. Juli unter die kritische Marke von sieben Prozent und die ihrer italienischen Pendants gleicher Laufzeit auf fast sechs Prozent. Umgekehrt haben deutsche Anleihen gelitten, die Rendite zehnjähriger Papiere stieg von rund 1,15 Prozent auf 1,36 Prozent. Und auch die Börsen legten kräftig zu.
Doch schon am Freitag wuchs wieder die Skepsis. Nun griffen die Diskussionen um sich, welche Maßnahmen die EZB denn beschließen könnte und ob sie damit etwas ausrichten kann. "Schlussendlich rechnen wir nicht mit neuen Impulsen, die eine Trendwende einläuten" , schrieben die Analysten der Commerzbank. Sie erwarten weiter starke Kursschwankungen an den Anleihemärkten. Hinzu kommt, dass Italien und Spanien neue Anleihen begeben. Heute wird Italien bis zu 5,5 Mrd. Euro aufnehmen.
Am Devisenmarkt hat sich der Euro vergangene Woche zwar klar erholt und handelte am Freitagabend um 1,2360 Dollar. Die Analysten der Schweizer Großbank Credit Suisse bleiben für die Gemeinschaftswährung aber "klar negativ" eingestellt. "Sofern sich das gesamtwirtschaftliche Umfeld in der Eurozone nicht deutlich verbessert, dürfte jede Erholung des Euro zum Dollar nur vorübergehender Natur sein und sollte zu Verkäufen genutzt werden." Stratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co sagte gegenüber Reuters: "Am Ende kann die EZB nicht zusehen, wie der Euro den Bach runtergeht, aber es bleibt abzuwarten, ob sie schon in der neuen Woche etwas unternimmt."
Für die Aktien sind Strategen noch am positivsten gestimmt. "Die weitere Lockerung der globalen Geldpolitik dürfte die Aktienmärkte zunächst weiter stützen", so die Experten der DZ Bank. Binnen Wochenfrist legte der DAX um 0,9 Prozent auf 6689 Zähler zu. Der Eurostoxx 50 lag per Saldo fast unverändert. In den USA legte der Dow Jones knapp zwei und der S&P um 1,7 Prozent zu.
Das Zwischenfazit der DZ Bank für die Quartalsberichte sieht jedoch nicht rosig aus. Acht von 30 DAX-Unternehmen haben bereits Zahlen vorgelegt. Während die Umsätze im Durchschnitt elf Prozent über dem Vorjahresquartal lagen, stagnierten die Gewinne. Dies decke sich zwar in etwa mit den Konsenserwartungen für das Gesamtjahr 2012. "Zu optimistisch und damit revisionsbedürftig erscheinen uns jedoch unverändert die Prognosen für 2013 von Plus elf Prozent."
Bei den Konjunkturdaten stehen vor allem die US-Beschäftigtenzahlen am Freitag im Fokus. Analysten sagen für Juli einen leicht stärkeren Stellenaufbau von 100.000 Jobs nach 80.000 im Vormonat voraus. Die Welle der Quartalsberichte setzt sich fort: Am Dienstag sind unter anderen Bayer , Deutsche Bank und Metro an der Reihe. Am Mittwoch folgen Fresenius und BMW sowie Deutsche Post und Lufthansa am Donnerstag und die Allianz am Freitag.