Sehr schwache Wirtschaftsdaten aus China haben die Anleger zum Wochenausklang in Alarmstimmung versetzt. Als Folge der Eurokrise stiegen die chinesischen Ausfuhren im Juli lediglich um ein Prozent auf 11,3 Prozent im Juni, während Analysten ein Plus von knapp neun Prozent erwartet hatten. Auch die Bundesregierung dämpfte die Stimmung: "Die weiteren Aussichten für die deutsche Wirtschaft bleiben erst einmal verhalten und sind mit erheblichen Risiken behaftet", schrieb das Bundeswirtschaftsministerium in seinem Monatsbericht. Keine guten Voraussetzungen also für die Börsen und den Euro.
Sowohl für die Aktien als auch für den Euro sagen Strategen eher Kursverluste voraus. Weiter profitieren dürften dagegen deutsche und US-Staatsanleihen als sichere Häfen.
Die Investoren warten nun mit Spannung auf die Wachstumsdaten aus Deutschland und der EU sowie den zuletzt schwächelnden ZEW-Index am Dienstag. In den USA stehen diese Woche am Dienstag die Einzelhandelsumsätze für Juli an. Der Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von Philadelphia (Philly Fed) folgt am Donnerstag. Der Index des Verbrauchervertrauens der Universität von Michigan und die US-Frühindikatoren werden am Freitag veröffentlicht.
Bei den Aktien wurde die seit fünf Wochen dauernde Aufwärtsbewegung am Freitag gestoppt. Sie hatte zahlreiche Indizes, darunter auch den DAX , auf den höchsten Stand seit Anfang April getrieben. Drei Mal kratzte das deutsche Börsenbarometer erfolglos an der Marke von 7000 Punkten und schloss am Freitag bei 6950 Zählern - ein Wochenplus von 1,2 Prozent. Der Eurostoxx 50 lag im Wochenvergleich fast unverändert.
"Wir scheinen derzeit gefangen zu sein zwischen 6900 und 7000 Punkten. Wir kommen nicht über die Hürde, aber richtig runter geht es auch nicht" , sagte Oliver Opgen-Rhein, Aktienhändler bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Er rechnet diese Woche nicht mit positiven Impulsen.
"Es wird immer deutlicher, dass die Konjunkturschwäche nach den Peripheriestaaten auch die Kernunion ergreift und die Rezessionsgefahr hoch ist", schreiben die Experten der Landesbank Berlin in ihrem Ausblick. Letzteres sei noch nicht ausreichend in den Aktienkursen berücksichtigt. Christian Schmidt, technischer Analyst der Helaba, hält eine kurzfristige Korrekturbewegung nach unten für wahrscheinlich, die den DAX zunächst bis auf 6835 und danach auf 6765 Zähler fallen lassen könnte.
An der Wall Street rechnet John Praveen, Chefstratege des Versicherers Prudential , kaum mit Überraschungen. "Die größten Markttreiber werden die Erwartungen an die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Federal Reserve bleiben." In den USA werde man weiter beobachten, ob es Signale für neue Anleihe-Käufe der EZB gebe. Angesichts der zuletzt optimistisch stimmenden Daten aus der heimischen Wirtschaft könnte die Fed eine erwartete weitere Runde von Anleihekäufen womöglich doch noch einmal verschieben, so Praveen.
Von der EZB erwarten die Märkte dagegen endlich Taten. Die zwischenzeitliche Erholung der Anleihen Spaniens und Italiens bröckelte schon vergangene Woche und dürfte sich fortsetzen. Umgekehrt sollte die Flucht in Bundesanleihen und US-Staatspapiere, die am Freitag einsetzte, anhalten.
Außerdem dürften Dollar und Yen als "sichere Hafen" gefragt bleiben. "Ich kann keinen Grund erkennen, den Euro zu kaufen", sagte Daisuke Karakama, Ökonom bei Mizuho Corporate Bank in Tokio, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Volkswirtschaft der Euro-Zone habe so gut wie kein Aufwärtspotenzial.