Nachdem die Wetten der Anleger auf schnelle zusätzliche Geldspritzen durch die Notenbanken nicht aufgegangen sind, steht diese Woche eine Entscheidung der Bank von Japan an. Zwar erwarten Experten keine weitere geldpolitische Lockerung der Notenbank bei ihrem Treffen am Mittwoch und Donnerstag. Allerdings wird dort aktuell darüber diskutiert, ob die Notenbank in größerem Umfang ausländische Staatsanleihen kaufen soll - als Alternative zu den bisherigen Maßnahmen zur Stimulierung der Wirtschaft und zur Schwächung des Yen.
Angesichts eines Leitzinses nahe Null hat sie hier keinen Spielraum mehr. Japans exportabhängige Wirtschaft leidet unter dem starken Yen. Japans Währung legt seit Monaten zum US-Dollar zu. Am Freitag kostete ein Dollar 78,60 Yen. Strategen halten auch Interventionen für möglich.
Bislang hat sich Notenbankchef Masaaki Shirakawa gegen solche Ideen ausgesprochen. Der Strategiechef der Regierungspartei, Seiji Maehara, bezeichnete solche Käufe dagegen als "wünschenswert". Ein früheres Ratsmitglied der Notenbank hat eine Summe von umgerechnet 523 Mrd. Euro ins Gespräch gebracht. Bislang hat sich die Bank von Japan vorwiegend auf Käufe heimischer Staatspapiere beschränkt. Außer in Japan stehen auch in Südkorea und Australien Zinsentscheidungen an.
In Europa erwarten Strategen vor der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über den dauerhaften Rettungsschirm ESM am 12. September keine Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank. Allein die Aussicht darauf hat jedoch vergangene Woche zu einer kräftigen Aufwärtsbewegung zumindest bei kurzfristigen spanischen und italienischen Staatsanleihen geführt, weil sie auf der Kaufliste der EZB stünden. Spanien deutete am Freitag zudem an, dass es womöglich doch unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen wird.
Bei den Aktien müssen sich nach Ansicht von Jeff Hochman, Leiter der Technischen Analyse bei Fidelity Worldwide Investment, noch eine ganze Weile auf starke Schwankungen einstellen. "Dennoch sollten sie nicht zögern, deshalb Aktien von Unternehmen mit guten Fundamentaldaten zu kaufen", rät der Experte. Trotz gemischt ausfallender Unternehmensergebnisse seien die europäischen Unternehmen insgesamt gesund und in der jüngeren Vergangenheit auch unterbewertet. Diese Woche legen aus dem DAX Münchener Rück, Deutsche Telekom, Commerzbank und ThyssenKrupp ihre Zahlen vor.
Anleger griffen schon am Freitag beherzt zu und bescherten den Börsen die stärksten Kursgewinne seit Wochen. Der DAX kletterte um 3,9 Prozent auf 6865 Punkte - der größte Tagesgewinn seit Ende Juni. Binnen Wochenfrist betrug das Plus 2,6 Prozent. Der EuroStoxx50 legte am Freitag um 4,6 Prozent und binnen Wochenfrist um 2,8 Prozent zu.
An der Wall Street sollte wieder etwas mehr Ruhe einkehren. "Die Märkte brauchen ein Pause", sagte Sean Egan, Chef der Ratingagentur Egan-Jones. Er rechnet damit, dass sich die Investoren in den kommenden Wochen zunächst ein wenig zurückhalten werden - trotz der positiven Arbeitsmarktdaten. Die US-Wirtschaft hat im Juli 163.000 neue Jobs geschaffen. Egan geht davon aus, dass die Märkte erst gegen Ende August wieder an Fahrt gewinnen. Dann werden andere Themen wie das US-Staatsschuldenproblem und das planmäßige Auslaufen von Steuervergünstigungen zum Jahresende in den Vordergrund rücken. Diese Woche sollte sich die Konsumzurückhaltung in den Zahlen der großen Warenhäuser wie Macy's, Nordstrom und J.C. Penney niederschlagen.