Der Chef der US-Notenbank Fed, Ben Bernanke, hatte die Märkte in der vergangenen Woche zwar etwas beruhigt, als er feststellte, dass die hohen Energiekosten bislang nur wenig Einfluss auf andere Preise gehabt hätten. Am Freitag verschärfte die Straffung der Geldpolitik in China aber den Pessimismus vieler Marktteilnehmer, die eine globale Wachstumsschwäche fürchten.
Europas Börsen tauchten deshalb am Freitag im späten Handel in die Verlustzone. Auf Wochenbasis gaben die Märkte somit die dritte Woche hintereinander deutlich nach. Der
Stoxx 50 verlor 1,4 Prozent und der
Dax büßte 1,6 Prozent ein. In den USA verlor der breit gefasste
S&P500 -Index 0,37 Prozent. An der japanischen Börse stieg der
Nikkei 225 hingegen nach vier Wochen mit Verlusten um 0,9 Prozent.
"Der Dax dürfte steigen"
Man müsse noch einige Tage abwarten, bevor abzuschätzen sei, ob es sich bei den seit Mai angefallenen Verlusten um eine Korrektur oder und eine Trendwende handele, sagte David Dropsey von Thomson First Call. "Wir werden uns noch einige Zeit mit hoher Volatilität herumschlagen müssen", sagte Frank Schallenberger. Der Aktienstratege der LBBW rechnet immerhin damit, dass die Aussagen der Fed dazu beitragen, zur Normalität zurückzukehren. "Ich bin für die neue Woche optimistisch. Der Dax dürfte über 5500 Punkte steigen", sagte er.
Auch
Credit Suisse geht davon aus, dass die Inflationsängste die Märkte nur temporär belasten. Die Strategen der
DZ Bank rechnen dagegen zunächst mit weiteren Verlusten bis in den Bereich zwischen 5100 und 5300 Zählern im Dax.
Günstiges Bewertungsniveau
Für höhere Kurse an Europas Börsen spricht nach Einschätzung vieler Banken die günstige Bewertung. Nach Einschätzung der Commerzbank notieren viele Aktien nach den scharfen Kursrückgängen im historischen Vergleich auf einem sehr günstigen Bewertungsniveau. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne für 2007 liegt aktuell bei elf im Schnitt der vergangenen 20 Jahre aber bei 16. Frische Impulse erwartet Strategen aber erst im Juli mit dem Beginn der Berichtssaison zum zweiten Quartal. Dann würde erneut die starke Gewinnentwicklung bei den Unternehmen sichtbar werden. Eine Studie der Schweizer Bank
UBS zeigt, dass Analysten weiterhin eher mit positiven Überraschungen als mit Enttäuschungen rechnen.
Am Devisenmarkt blicken Experten ebenfalls zu den Börsen. "Für den Euro-Dollar-Wechselkurs wird die Aktienmarktentwicklung ein wesentlicher Faktor sein, das gilt vor allem für die Entwicklung an den Schwellenländermärkten", sagte Armin Mekelburg, Devisenanalyst der HypoVereinsbank. Kursverluste dieser Finanzmärkte stützen meist den Dollar, da Anleger aus den Schwellenländerwährungen hinaus überwiegend in die US-Währung flüchten. "Eine Erholung an diesen Märkten würde gegen den Dollar sprechen."
"Die Konsolidierung des Euro scheint zunächst abgeschlossen zu sein, bei 1,25 $ hat er wohl einen Boden gefunden", sagte Thomas Amend, Volkswirt von HSBC Trinkaus & Burckhart. "Wir sind leicht freundlich gestimmt." In den vergangenen zwei Wochen hatten Spekulationen über weitere Zinserhöhungen in den USA die Gemeinschaftswährung geschwächt. Damit ist es auch nach Ansicht Mekelburgs vorerst vorbei. "Am Devisenmarkt gibt es mittlerweile eine ambivalente Haltung gegenüber der Aussicht auf weitere Zinserhöhungen. Zinsanhebungen in den USA werden nicht mehr nur für positiv für den Dollar gehalten", sagte er.
Von konjunktureller Seite dürften angesichts der jüngsten Zinsdiskussionen vor allem die Frühindikatoren für Mai und die Aufträge für langlebige Güter aus den USA interessant werden.