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Merken   Drucken   07.07.2010, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Brasiliens neue Feldherren

Seit Wochen steigen die Rohstoffpreise. Und kein Land profitiert davon so stark wie Brasilien. Der Staat hat sich mit Hightech-Methoden zur Agrargroßmacht entwickelt - und dabei nichts dem Zufall überlassen. Nun herrscht unter den Farmern Goldgräberstimmung. von Andrzej Rybak  Mato Grosso
Die Hochebene von Mato Grosso. Millionen verdörrter Sojasträucher stehen hier in schnurgeraden Reihen, exakt 20 Zentimeter voneinander entfernt, kilometerlang, fast unendlich, wie auf einem gigantischen Reißbrett gezeichnet. Die Luft flirrt vor Hitze, weit und breit weder Tier noch Mensch, bloß zwei riesige Mähdrescher ziehen ihre Bahnen durch das Feld. Sie fahren die Ernte ein: Sojabohnen - Brasiliens neues Gold.
Sojasträucher, exakt 20 Zentimeter voneinander entfernt, auf einem ...   Sojasträucher, exakt 20 Zentimeter voneinander entfernt, auf einem gigantischen Feld im brasilianischen Bundesstaat Mato
Wie viel die Feldarbeit einbringen wird, erfährt der Fahrer sofort. Im klimatisierten Cockpit der Landmaschinen herrscht Hightech: Computer rechnen punktuell den Ertrag aus und registrieren jede Abweichung. Wo er schlechter ausfällt, wird vor der nächsten Saat mehr Dünger gestreut. "Wir setzen auf unserer Fazenda die modernste Technik ein", sagt Leandro Gazola, ein Neffe des Farmbesitzers. Bei der Saat werden die Traktoren per GPS auf Kurs gehalten, damit die Pflanzen in geraden Reihen wachsen. "Wir können dann besser düngen und ernten, was den Ertrag steigert", sagt Gazola.
Bis zum Horizont reicht das Soja-Feld von Leandro Gazola im ...   Bis zum Horizont reicht das Soja-Feld von Leandro Gazola im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso
Zwei Farmen besitzen die Gazolas in der Nähe der Stadt Sorriso, insgesamt rund 10.000 Hektar Land. Mitte der 80er-Jahre, als die Familie nach Mato Grosso kam, war das Land noch billig und fast menschenleer. Mit Soja haben die Gazolas es hier zu Wohlstand gebracht. Und der könnte sich nun noch prächtig vermehren.
Die Preise für Agrarrohstoffe steigen und steigen. In den vergangenen Wochen kletterten die Werte von Kaffee und Baumwolle, Orangensaft und Hafer an den Rohstoffbörsen um 30 bis 50 Prozent. Experten sehen darin die Vorboten für einen Preisschub auch bei anderen Agrarerzeugnissen. Wenn der Markt so in Bewegung gerät wie vor zwei Jahren, können die brasilianischen Farmer hohe Profite einstreichen.
Denn vom Boom an den Rohstoffmärkten profitiert kein anderes Land so sehr wie Brasilien. Unterstützt von der Politik wurde der Ausbau der Landwirtschaft in den vergangenen Jahren konsequent vorangetrieben. Kaum etwas wurde dabei dem Zufall überlassen. Die Agrarindustrie sollte das Fundament eines neuen Wohlstands werden, die Hoffnung der nächsten Generation. Mit Erfolg.
Brasilien hat sich inzwischen zur Agrargroßmacht entwickelt, zum weltgrößten Produzenten von Rindfleisch, Hühnerfleisch, Orangensaft, Kaffee, Zucker, Ethanol, Soja und Tabak. "Brasilien ist bestens gerüstet, um die Welt zu ernähren", sagt Ex-Agrarminister Roberto Rodrigues. Nun ist sein Land dabei, etablierte Agrarmächte wie die USA, Argentinien oder Australien zu überholen. Ein gewaltiger Sprung.

Teil 2: Mit Agrarchemie ins 21. Jahrhundert

  • Aus der FTD vom 07.07.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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