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Merken   Drucken   01.11.2010, 11:00 Schriftgröße: AAA

Agenda: Jäger der seltenen Erden

Wer in Deutschland die begehrten Rohstoffe kaufen will, kommt an Gunther Maassen nicht vorbei. Der Bonner Händler hat beste Kontakte nach China, wo die seltene Erden fast ausschließlich gewonnen werden. Noch gelingt es ihm meist, die Wünsche seiner Kunden zu erfüllen. Noch.
© Bild: 2010 FTD/Marcus Gloger
Wer in Deutschland die begehrten Rohstoffe kaufen will, kommt an Gunther Maassen nicht vorbei. Der Bonner Händler hat beste Kontakte nach China, wo die seltene Erden fast ausschließlich gewonnen werden. Noch gelingt es ihm meist, die Wünsche seiner Kunden zu erfüllen. Noch. von Georg Fahrion, Bonn
Verpackt in durchsichtige Plastikcontainer ruht der Schatz in einer Kiste. Gunther Maassen greift behutsam zwei Behälter mit schwarzem Schraubverschluss heraus und sagt: "Zweimal ein halbes Kilo, macht rund 520 Euro." Im Behälter: ein weißes Pulver. Auf dem Etikett: ein Kürzel. Eu-010 - Europiumoxid, eine seltene Erde.
Maassen steht mitten in der Schatzkammer, dem Lager des Metallhandels, den er in Bonn mit seinem Vater und seinem Bruder betreibt. Fast fünf Meter hoch ragen Regale unter die Decke, befüllt mit Kisten, Eimern, Säcken und allerlei merkwürdigen Behältnissen. Der blitzsaubere Boden der Halle besteht aus Spezialbeton, damit es keinen Abrieb gibt. Der Familienbetrieb Haines & Maassen kauft und vertreibt seltene Erden und sogenannte Nebenmetalle. Sie haben derzeit gut zu tun.
Produktion seltener Erden; Verwendung seltener Erden   Produktion seltener Erden; Verwendung seltener Erden
Am Markt für Seltenerden geht es so turbulent zu wie nie zuvor. Ohne die Mineralien sieht es übel aus für viele Zukunftstechnologien. Europium, Neodym, Lanthan und ihre Verwandten stecken in Hochleistungsmagneten für Elektroautos, in Windturbinen und Plasmabildschirmen. Die Nachfrage steigt ständig. Das ist ein Grund für die Verknappung - und für Preise, die sich in kurzer Zeit verzigfacht haben.
Der andere Grund liegt darin, dass ein einziges Land 97 Prozent der Weltproduktion kontrolliert: China. Die Volksrepublik verfügt zwar nur über ein Drittel der weltweiten Vorkommen seltener Erden. Sie baut diese aber zu so unschlagbar günstigen Preisen ab, dass die internationale Konkurrenz nach und nach aufgegeben hat. Ist die Produktion erst einmal eingestellt, lässt sie sich nicht von heute auf morgen wieder aufnehmen. In Kalifornien müht man sich, die Mountain Pass Mine wieder zu öffnen, doch vor Ende 2011 wird daraus nichts werden. Bis dahin kann China sein Quasimonopol ausschöpfen.
Mit seiner Machtposition versetzt das Land die Nutzer seltener Erden in Schrecken. Im September stellte Peking infolge eines Territorialstreits mit Japan die Lieferungen an das Nachbarland ein. Auch die Ausfuhren nach Europa stockten, berichtete die "New York Times". Im kommenden Jahr wird die Exportquote höchstwahrscheinlich weiter sinken.
Bei mittelständischen deutschen Firmen, die Seltenerden benötigen, herrsche mittlerweile "extreme Anspannung", sagt Harald Elsner von der Deutschen Rohstoffagentur, die Anfang Oktober von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle eingerichtet wurde. Sie soll Unternehmen darüber informieren, wie sie sich im Ausland Rohstoffe sichern können. Die Bundesregierung ist alarmiert. Vergangene Woche beschloss sie eine Strategie, die der Industrie eine stete Versorgung bringen soll. "Deutschland ist bei den meisten Industrierohstoffen von Einfuhren abhängig", sagte Brüderle am Dienstag auf dem Rohstoffkongress des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin. "Das trifft uns aktuell bei vielen Metallen und Energierohstoffen. Das trifft uns aber auch bei den seltenen Erden."

Teil 2: Quoten sind bereits erschöpft

  • FTD.de, 01.11.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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