Produktion seltener Erden; Verwendung seltener Erden
Am Markt für Seltenerden geht es so turbulent zu wie nie zuvor. Ohne die Mineralien sieht es übel aus für viele Zukunftstechnologien. Europium, Neodym, Lanthan und ihre Verwandten stecken in Hochleistungsmagneten für Elektroautos, in Windturbinen und Plasmabildschirmen. Die Nachfrage steigt ständig. Das ist ein Grund für die Verknappung - und für Preise, die sich in kurzer Zeit verzigfacht haben.
Der andere Grund liegt darin, dass ein einziges Land 97 Prozent der Weltproduktion kontrolliert: China. Die Volksrepublik verfügt zwar nur über ein Drittel der weltweiten Vorkommen seltener Erden. Sie baut diese aber zu so unschlagbar günstigen Preisen ab, dass die internationale Konkurrenz nach und nach aufgegeben hat. Ist die Produktion erst einmal eingestellt, lässt sie sich nicht von heute auf morgen wieder aufnehmen. In Kalifornien müht man sich, die Mountain Pass Mine wieder zu öffnen, doch vor Ende 2011 wird daraus nichts werden. Bis dahin kann China sein Quasimonopol ausschöpfen.
Mit seiner Machtposition versetzt das Land die Nutzer seltener Erden in Schrecken. Im September stellte Peking infolge eines Territorialstreits mit Japan die Lieferungen an das Nachbarland ein. Auch die Ausfuhren nach Europa stockten, berichtete die "New York Times". Im kommenden Jahr wird die Exportquote höchstwahrscheinlich weiter sinken.
Bei mittelständischen deutschen Firmen, die Seltenerden benötigen, herrsche mittlerweile "extreme Anspannung", sagt Harald Elsner von der Deutschen Rohstoffagentur, die Anfang Oktober von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle eingerichtet wurde. Sie soll Unternehmen darüber informieren, wie sie sich im Ausland Rohstoffe sichern können. Die Bundesregierung ist alarmiert. Vergangene Woche beschloss sie eine Strategie, die der Industrie eine stete Versorgung bringen soll. "Deutschland ist bei den meisten Industrierohstoffen von Einfuhren abhängig", sagte Brüderle am Dienstag auf dem Rohstoffkongress des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin. "Das trifft uns aktuell bei vielen Metallen und Energierohstoffen. Das trifft uns aber auch bei den seltenen Erden."