Trockenheit bedroht in weiten Teilen der Welt die Getreideernte - und treibt die Preise Ob Russland, USA - die beiden größten Weizenexporteure der Welt, Ukraine, Kasachstan oder Australien: Aus vielen Ländern gab es zuletzt Hiobsbotschaften. Die Erntesorgen sorgen für einen deutlichen Preisanstieg bei dem Rohstoff. Der Weizen-Lieferkontrakt für Juli kletterte am Montag mit 7,22 Dollar je Scheffel (35,2 Liter) auf den höchsten Stand seit September des vergangenen Jahres. Bereits in der vergangenen Woche war die Notierung um 16,5 Prozent angezogen.
Das war der höchste Wochengewinn seit fast fünf Jahren. Zuvor war der Weizenpreis in diesem Jahr allerdings deutlich gefallen, vor allem weil es Anzeichen für eine sehr gute Ernte gegeben hatte. Gedreht hatte sich die Entwicklung, als das US-Landwirtschaftsministerium am 10. Mai in seiner Voraussage wetterbedingt von einem Erntrerückgang ausgegangen war. In den US-Bundesstaaten Iowa, Illinois und Indiana, die für 40 Prozent der US- Weizenproduktionherrschen den siebten Monat in Folge überdurchschnittlich hohe Temperaturen - der längste Zeitraum seit 1895. Ähnliche Wettermeldungen gibt es aus Kansas, dem größten Weizenproduzenten der USA.
Das Moskauer Agrarforschungsinstitut Ikar rechnet damit, dass die russische Ernte in diesem Jahr um 2,7 Prozent niedriger ausfallen dürfte als noch im vergangenen Monat prognostiziert. Das Institut liegt mit seinen Erwartungen damit noch unter den Schätzungen der US-Landwirtschaftsbehörde.
Hinzu kommt, dass die Märkte auf die Nachrichten umgehend reagiert haben: Analyst Luke Mathews von der Commonwealth Bank of Australia macht aufgrund der Wetterfront einen großen Abbau von Short Positionen an den Chicagoer Rohstoffbörsen aus. Ähnlich argumentiert die Commerzbank. Die Spekulanten hätten ihre auf fallende Preise setzenden Positionen bis Mitte Mai noch einmal ausgebaut. Nun müssten sie angesichts der Nachrichtenlage ihre Short Positionen eindecken. Das treibe die Preise.
Experten rechnen mit einer Fortsetzung der Rally. Einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge erwarten 19 von 27 befragten Analysten in dieser Woche anziehende Notierungen. Sie machen neben den möglichen Angebotsengpässen auch eine steigende Nachfrage des zweitgrößten Weizenimporteurs der Welt, China, verantwortlich. Technische Analysten sehen ebenfalls weiteres Aufwärtspotenzial, weil die Erholung von den im Mai bei 5,92 Dollar erreichten Tiefständen noch nicht abgeschlossen sei.
Teil 2: Wie die Rohstoffe an der Börse gehandelt werden