Am Markt für Agrarrohstoffe rückt Gerste in den Fokus. In den vergangenen sechs Wochen stieg der Preis für das Getreide um mehr als das Doppelte an. Es wird vor allem als Futtermittel in der Landwirtschaft eingesetzt. In Europa verteuerte es sich um 130 Prozent auf 210 Euro je Tonne. Ähnliches ist bei Braugerste zu beobachten, die zur Bierherstellung verwendet wird.
"Der Preisanstieg fand nahezu keine Beachtung, weil sich alles auf Weizen konzentrierte", sagte Abdolreza Abbassian, Agrarökonomin bei der Lebensmittelorganisation der Vereinten Nationen, der Food and Agricultural Organisation (FAO) in Rom. Auch hier spielen Russland und die Ukraine die entscheidende Rolle: "Beide Länder sind extrem wichtig", sagte Abbassian der Financial Times.
Die Bedeutung der Schwarzmeer-Region ist für Gerste größer als für Weizen. Russland, die Ukraine und Kasachstan exportierten im vergangenen Jahr 8,4 Millionen Tonnen. Das entspricht ungefähr der Hälfte der 16,9 Millionen Tonnen großen Handelsmenge. Auf Russland entfielen dabei 2,1 Millionen Tonnen, auf die Ukraine sogar 6 Millionen Tonnen.
Setzt sich der Preisanstieg der Gerste fort, dann dürfte das Folgen für Fleischpreise haben. Doug Whitehead, Rohstoffanalyst bei Rabobank, rechnet insbesondere bei Geflügel- und Schweinefleisch mit einer Preiserhöhung. Industrievertreter halten einen Aufschlag von 15 Prozent für möglich. Der europäische Mischfutterherstellerverband Fefac fordert die EU deshalb auf, die Notlager für Gerste freizugeben. "Wenn die Futterpreise steigen, gefährdet das die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Viehzucht", sagte Patrick Vanden Avenne. "Die EU muss sofort die Gerstespeicher öffnen."
Teil 2: Spannungen am Weizenmarkt nehmen ab