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Merken   Drucken   27.10.2010, 11:31 Schriftgröße: AAA

Anrüchiges Edelmetall: US-Aufseher wittert Betrug im Silberhandel

Ende der 1970er-Jahre trieben Preismanipulationen die Silber-Notierung von 2 auf 50 Dollar. Ein hochrangiges Mitglied der amerikanischen Terminbörsenaufsicht prangert nun erneutes Foulspiel an. Im Visier hat die Behörde offenbar Händler von JP Morgan Chase.
Ein hochrangiger amerikanischer Finanzaufseher hat ein hartes Vorgehen gegen mutmaßliche Manipulationen des Silbermarkts gefordert. Es habe "wiederholte Versuche" gegeben, Preise zu beeinflussen, sagte Bart Chilton, Kommissar bei der US-Terminbörsenaufsicht Commodity Futures Trading Association (CFTC). "Es hat betrügerische Versuche gegeben, den Preis zu bewegen und auf unaufrichtige Weise zu kontrollieren", so Chilton. "Jeglicher Verstoß gegen die Gesetze in dieser Hinsicht sollte verfolgt werden."
Die CFTC unter ihrem Chef Gary Gensler hat die Untersuchung ...   Die CFTC unter ihrem Chef Gary Gensler hat die Untersuchung offenbar intensiviert
Damit setzt der Kommissar die Behörde verstärkt unter Zugzwang. Die CFTC geht seit mehr als zwei Jahren dem Verdacht von Manipulationen im Handel mit Silber nach. Sie steht unter Beschuss, nachdem frühere Untersuchungen keine Ergebnisse brachten. Kritiker werfen ihr vor, die Rohstoffmärkte lange Zeit nicht aggressiv genug überwacht zu haben. Der Zeitpunkt für ein schärferes Vorgehen scheint günstig: Nach der Reform der Finanzmarktregulierung hat die Aufsicht nicht nur neue Kompetenzen bekommen, die Last der Beweisführung wurde auch verringert. Unter ihrem neuen Chef Gary Gensler  hat die CFTC ohnehin einen härteren Kurs eingeschlagen.
Der Preis für das Edelmetall hat eine wilde Achterbahnfahrt hinter sich. In diesem Jahr hat er mehr als 40 Prozent zugelegt, angetrieben von der Verunsicherung vieler Anleger und dem schwachen Dollar. Mitte Oktober kostete Silber zeitweise 24,95 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) und damit so viel wie seit 30 Jahren nicht. Am Mittwoch lag der Preis bei 23,60 Dollar.
Im Zuge der Rally hat das Edelmetall den höchsten Stand erreicht, seit es im Zentrum eines der größten Skandale an den Rohstoffmärkte stand. Ende der 1970er-Jahre versuchten die Gebrüder Hunt, den Silbermarkt zu "cornern". Sie kauften große Mengen physisches Silber, um den Markt zu verknappen und an der Börse die Preise zu treiben. Diese Attacke führte dazu, dass sich Silber von 2 auf 50 Dollar verteuerte.
Viele Banken und große Händler sehen derzeit keine Anhaltspunkte für eine Manipulation. Zahlreiche Investoren haben sich jedoch bei der CFTC beschwert. In den vergangenen Wochen hat die Behörde laut dem "Wall Street Journal" ihre Untersuchung intensiviert. Die CFTC gehe Hinweisen nach, wonach die US-Bank JP Morgan Chase  in manipulative Geschäfte verwickelt sei, berichtete die Zeitung. Mitarbeiter des Geldhauses seien befragt worden, ebenso wie Experten und Händler anderer Firmen. JP Morgan wollte sich gegenüber dem Blatt nicht äußern. Das Wall-Street-Haus gehört zu den großen Akteuren am Silbermarkt.
Nach Daten der CFTC von vergangener Woche halten vier oder weniger Händler ein Drittel aller Nettoverkaufspositionen bei Silber-Futures an der Comex, der Metallbörse in New York. Bankmanager argumentieren jedoch, die Comex-Daten lieferten nur ein unvollständiges Bild. Geldhäuser nutzen Verkaufspositionen bei Terminkontrakten oft, um ihre phyischen Kaufpositionen abzusichern.
  • FTD.de, 27.10.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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