Indien, hier der Taj Mahal, hat ein Inflationsproblem
Die Rohstoffpreise sind natürlich nicht nur wegen der Rolle der Spekulanten und dem Übermaß an billigem Geld gestiegen. Auch fundamental ließ sich die Bewegung gut begründen. Vor allem die Nachfrage aus Schwellenländern legte ständig zu. Inzwischen ist die Inflationsangst aber in vielen dieser Länder angekommen. China versucht seit Monaten mit Bündeln von Aktionen, das Wachstum zu begrenzen, um die Inflation nicht ausufern zu lassen.
Die Philippinen, Malaysia, Vietnam und nicht zuletzt Indien haben in dieser Woche ihre Zinsen angehoben. In der vergangenen Woche waren es Brasilien und Thailand.
Indien überrumpelte den Markt am Dienstag regelrecht. Die Zentralbank hob den Schlüsselzins für die meisten völlig überraschend um 0,5 Prozentpunkte auf 7,25 Prozent an. Ökonomen und Marktakteure hatten nur mit einem Anstieg um einen Viertelprozentpunkt gerechnet. Der Gouverneur der Reserve Bank of India, Duvvuri Subbarao, kündigte an, der Kampf gegen die Teuerung habe Vorrang, selbst wenn er kurzfristig das Wirtschaftswachstum drosseln sollte.
Ökonomen gehen davon aus, dass dies nicht die letzte Erhöhung in dem wichtigen Schwellenland war: "Es gibt keine Atempause, was die Inflation angeht, weil jetzt Zweitundeneffekte beginnen zu greifen", sagte Siddhartha Sanyal von Barclays der Nachrichtenagentur Bloomberg. Unter Zweitrundeneffekten versteht man Reaktionen auf vorhergegangene Preissteigerungen, in der Regel höhere Produktpreise und Löhne.