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Merken   Drucken   06.05.2011, 14:42 Schriftgröße: AAA

Blase oder nicht?: Die Ursachen des Rohstoffcrashs

Aufregung, gar Panik am Rohstoffmarkt. Erst Silber, dann Öl, und auch viele weitere Investorenlieblinge der Anlageklasse verlieren deutlich an Wert. Eine Analyse
© Bild: 2011 reuters
Aufregung, gar Panik am Rohstoffmarkt. Erst Silber, dann Öl, und auch viele weitere Investorenlieblinge der Anlageklasse verlieren deutlich an Wert. Eine Analyse von Joachim Dreykluft 
Der Rohstoffmarkt spielt verrückt. Nach monatelangen, scheinbar unaufhaltsamen Preissteigerungen geben die Notierungen teilweise innerhalb von Stunden erheblich nach. Der GSCI-Index von Goldman Sachs, der die Entwicklung von 24 Rohstoffen abbildet, verlor innerhalb weniger Handelstage sieben Prozent. "Die Rohstoff-Rally ist damit jedenfalls erst einmal beendet", meint Torsten Gellert, Managing Director vom Broker Forex Capital Markets Deutschland - und ist damit nicht alleine. FTD.de analysiert die Ursachen und blickt in die Zukunft.
"Das Ausmaß des Absturzes am Donnerstag ließ viele Analysten über die Ursachen rätseln. Es war kein einzelner Anlass, der den Verkauf ausgelöst hat." So beschreiben die Märktereporter der Nachrichtenagentur Reuters völlig zutreffend die Situation. "Der große Fall gestern hat die Bullen verschreckt. Jetzt sind nur noch Bären übrig." So drückt es Thorbjörn Bak Jensen aus, Analyst bei Global Risk Management, einer dänischen Firmen, die ihre Kunden bei der Absicherung von Ölpreisrisiken berät.
Marktbewegungen, vor allem schnelle und heftige, sind so gut wie nie das Destillat der nüchternen Analyse der Fakten, sondern der Ausdruck des Tauziehens zwischen Gier und Angst. Erst kommt die Kursbewegung, dann die - scheinbar rationale - Begründung. Die erste Bewegung beruht also meist auf emotionalen Beweggründen, weil Angst und Gier sich nicht mehr die Waage halten. So stürzten etwa im Jahr 2000 ab März die Kurse am Neuen Markt ab. Erst Monate später erschienen die klugen Analysen, warum viele der Geschäftsmodelle nicht funktionieren konnten.
Dass die Kurse scheinbar grundlos fallen, ist das Kennzeichen von Spekulationsblasen. Dennoch lohnt es, die Ratio einzusetzen. Denn es bleibt die Frage: Ist es wirklich eine Blase oder eine Einstiegsmöglichkeit? Die falsche Antwort darauf wird für Investoren teuer.
Kursinformationen und Charts
  Silber 28,49 USD  [0 0,00%
  WTI Spot 91,01 USD  [-0.08 -0,09%
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Ein funktionierender Markt braucht beides: langfristig und kurzfristig orientierte Anleger. Die langfristig orientierten sorgen dafür, dass eine Anlage einen soliden Besitzerstamm hat und die Preise nicht allzu stark schwanken. Kurzfristig orientierte, meist abwertend als Spekulanten bezeichnet, sorgen dafür, dass ein Geldanlagevehikel liquide bleibt. So braucht gerade der Rohstoffterminmarkt Spekulanten. Ursprünglich diente er dem Ziel, dass sich Personen oder Unternehmen, die mit dem Rohstoff im wirklichen Leben umgehen, gegen ungewollte Preisbewegungen absichern können. Die Spekulanten bringen nun Liquidität in den Markt und sorgen dafür, dass diejenigen, die sich absichern wollen, stets einen Handelspartner finden, bei dem sie kaufen oder verkaufen wollen. Im Grunde sind Spekulanten für den Absicherungsgedanken der Terminmärkte ein Segen.
Kritisch wird es, wenn alle Spekulanten in eine Richtung rennen. Bestes Beispiel ist Silber . Hier haben zuletzt 25 mal mehr Spekulanten auf steigende Notierungen gesetzt als auf fallende. Das weiß man, da Teilnehmer am Rohstoff-Future-Handel angeben müssen, ob sie spekulativ oder zur Absicherung handeln. So ein Markt gerät schnell in Schieflage, wenn die Richtung kippt.
Entscheidend ist, ob nach den Preisstürzen die ängstlichen unter den kurzfristigen Anlegern größtenteils wieder aus dem Markt verschwunden sind. Die Experten der US-Investmentbank Goldman Sachs sind auf mittlere Sicht optimistisch: Der Ausverkauf habe einen Großteil der Risikoprämie aus dem Markt genommen, schreiben sie am Freitag. Es zwar gebe ein Risiko kurzfristiger Rückschläge. Die jüngsten Hochstände beim Öl würden wegen anziehender Fundamentaldaten im kommenden Jahr aber wieder erreicht oder überschritten. Laut einem Researchbericht vom Donnerstag geht Goldman für 2012 von einem Preis für die US-Sorte WTI  und für das Nordseeöl Brent von jeweils 110 Dollar pro Barrel (159 Liter) aus.
Der Silbermarkt ist in den letzten Monaten definitiv in Schieflage geraten. Die Zahl der Silber-Feinunzen, die man braucht, um eine Feinunze Gold zu kaufen, hat sich von knapp 70 im langjährigen Mittel nahezu halbiert. Da verfing das Argument der Silberbullen kaum nach, dass Silber bei vielen industriellen Anwendungen - etwa LCD-Bildschirme - unverzichtbar sei. Was als Bröckeln des Preises kurz vor einem Rekordhoch am Montag und Dienstag begann, entwickelte sich in der zweiten Wochenhälfte zu einem 30-Prozent-Absturz. Die Bewegung war so massiv, dass sie auch Spekulanten bei anderen Rohstoffen aufschreckte: "Silber entwickelte sich zu einem Flächenbrand, der sich in andere Rohstoffe hineinfraß", sagte Michael Turner, Stratege bei der kanadischen Investmentbank RBC Capital Markets, dem Fachportal "Marketwatch".
Der Dollar  spielt traditionell bei den Preisbewegungen von Rohstoffen eine große Rolle. Meist führt eine Dollar-Schwäche zu einer Rohstoff-Stärke und umgekehrt. Am Donnerstag machte EZB-Präsident Jean-Claude-Trichet bei einer Pressekonferenz in Helsinki klar, dass es eine Zinserhöhung frühestens im Juli geben wird.
Zuvor hatten viele Spekulanten Euro gekauft (oder per Termingeschäft auf einen fallenden Dollar gesetzt), weil sie auf eine schnelle Ausweitung der Zinsdifferenz zum Dollar gehofft hatten. Diese Wette ging schief. Der Euro verlor mehr als zwei US-Cent. "Es ist der offensichtliche Trade: Viele Investoren lösten mit steigendem US-Dollar ihre Short-Positionen in diesem auf, was zu einem starken Druck auf die Rohstoffe führte", beschreiben die Mitglieder des Frankfurter Teams des US-Brokers Jefferies die Marktlogik.
Freut sich über den sinkenden Ölpreis: EZB-Präsident Jean-Claude ...   Freut sich über den sinkenden Ölpreis: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet
Es ist offensichtlich, dass das billige Notenbankgeld vor allem der Federal Reserve die Rohstoffrally der vergangenen Monate angeheizt hat. Geld, dass sich die Banken zu realen Negativzinsen leihen konnten, suchte sich weltweit Anlagen: Aktien, Anleihen von Staaten mit sehr gutem Rating und vor allem Rohstoffe legten kräftig zu.
Die Notenbanken öffneten mit ihrer Niedrigzinspolitik die Büchse der Pandora, was vor allem der Europäischen Zentralbank langsam unheimlich wird. Die USA rechnen seit einigen Jahrzehnten aus ihrer sogenannten Kerninflation die Preissteigerungen bei Energierohstoffen heraus. Dies führt laut Kritikern zu einer verzehrten Inflationswahrnehmung der Fed. In der Euro-Zone liegt die offizielle Preissteigerungsrate bei 2,8 Prozent, deutlich über dem Ziel der EZB von unter, aber nahe zwei Prozent.
EZB-Chef Jean-Claude Trichet zeigte sich am Freitag erleichtert über den Preisverfall vor allem beim Öl: "Der Preisrückgang bei Öl und anderen Rohstoffen ist aus unterschiedlichen Gründen gut, selbstverständlich für die Inflation, nicht nur kurzfristig, sondern auch wegen der Gefahr von mittelfristigen Zweitrundeneffekten. Er ist auch gut, um die wirtschaftliche Erholung zu festigen, weil jeder Preisanstieg bei Öl und anderen Rohstoffen einen inflationären Einfluss und einen schwächenden Einfluss auf das Wachstum hat", sagte er in einem Interview mit dem TV-Sender CNBC.
Indien, hier der Taj Mahal, hat ein Inflationsproblem   Indien, hier der Taj Mahal, hat ein Inflationsproblem
Die Rohstoffpreise sind natürlich nicht nur wegen der Rolle der Spekulanten und dem Übermaß an billigem Geld gestiegen. Auch fundamental ließ sich die Bewegung gut begründen. Vor allem die Nachfrage aus Schwellenländern legte ständig zu. Inzwischen ist die Inflationsangst aber in vielen dieser Länder angekommen. China versucht seit Monaten mit Bündeln von Aktionen, das Wachstum zu begrenzen, um die Inflation nicht ausufern zu lassen.
Die Philippinen, Malaysia, Vietnam und nicht zuletzt Indien haben in dieser Woche ihre Zinsen angehoben. In der vergangenen Woche waren es Brasilien und Thailand.
Indien überrumpelte den Markt am Dienstag regelrecht. Die Zentralbank hob den Schlüsselzins für die meisten völlig überraschend um 0,5 Prozentpunkte auf 7,25 Prozent an. Ökonomen und Marktakteure hatten nur mit einem Anstieg um einen Viertelprozentpunkt gerechnet. Der Gouverneur der Reserve Bank of India, Duvvuri Subbarao, kündigte an, der Kampf gegen die Teuerung habe Vorrang, selbst wenn er kurzfristig das Wirtschaftswachstum drosseln sollte.
Ökonomen gehen davon aus, dass dies nicht die letzte Erhöhung in dem wichtigen Schwellenland war: "Es gibt keine Atempause, was die Inflation angeht, weil jetzt Zweitundeneffekte beginnen zu greifen", sagte Siddhartha Sanyal von Barclays der Nachrichtenagentur Bloomberg. Unter Zweitrundeneffekten versteht man Reaktionen auf vorhergegangene Preissteigerungen, in der Regel höhere Produktpreise und Löhne.
Nachdem der berühmte Physiker Isaac Newton beim Platzen der berühmten Südseeblase im 18. Jahrhundert rund 20.000 Pfund - damals ein Vermögen - verloren hatte, sagte er: "Ich kann die Bewegungen der Sterne berechnen, aber nicht die menschliche Dummheit." Trotz erheblicher Erkenntnisfortschritte in der Physik gilt der Satz für die menschliche Dummheit nach wie vor in vollem Umfang.
  • FTD.de, 06.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 09.05.2011 18:45:56 Uhr   quarksahne: ???

    kein Grund soll es also gegeben haben... was ist dann bitte mit der erneuten Marginanhebung an der Terminbörse Comex für Silber?

  • 06.05.2011 23:48:42 Uhr   blaff: mannomann
  • 06.05.2011 22:29:03 Uhr   von mir: beitrag
  • 06.05.2011 21:25:18 Uhr   nur mal reingeschaut: Quatsch
  • 06.05.2011 19:36:09 Uhr   blaff: QUATSCH
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