Entspannungssignale aus dem Iran haben am Mittwoch den Rückgang der Ölpreise beschleunigt. Der meistgehandelte Terminkontrakt der Referenzsorte Brent verbilligte sich zeitweise um ein Prozent und notierte unter 108 Dollar pro Barrel (159 Liter).
Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA hatte am Vorabend mitgeteilt, der Iran wolle ihren Inspektoren Zugang zum Militärkomplex Parchin gewähren. Eine entsprechende Vereinbarung solle bald unterzeichnet werden, einige kleinere Meinungsverschiedenheiten müssten allerdings noch geklärt werden. Vertreter der internationalen Gemeinschaft und des Irans kamen am Mittwoch zu weiteren Gesprächen in Bagdad zusammen. Die IAEA vermutet, dass Parchin zu Forschungszwecken dient, die für die Entwicklung von Atomwaffen relevant sein könnten.
Der Streit über das iranische Atomprogramm hatte den Brent-Preis im März auf bis zu 126 Dollar pro Barrel getrieben. In anderen Währungen erreichten die Kurse sogar Rekordhochs: Mitte März kostete das Fass Brent mehr als 96 Euro. Hintergrund waren die von den USA und der EU beschlossenen Sanktionen gegen den Iran, die einen weitgehenden Importstopp für iranisches Öl vorsehen. Allerdings hat Saudi-Arabien zugesagt, die dadurch entstehenden Lieferausfälle zu kompensieren. Das Land hat seine Fördermenge auf ein 30-Jahreshoch von rund zehn Millionen Barrel täglich ausgeweitet.
Während die Beschwichtigungsversuche Saudi-Arabiens und der Organisation Erdöl produzierender Länder (Opec) zunächst wenig Wirkung zeigten, hat das Wiederaufflammen der Euro-Krise seit Anfang April zu einem kräftigen Preisrutsch geführt. Das Euro-Sorgenkind Spanien legte damals ein rigoroses Sparpaket vor, dass Angst vor einer Verschärfung der Rezession in der viertgrößten Volkswirtschaft auslöste. In der Folge zogen die Risikoprämien spanischer Staatsanleihen kräftig an, der Euro gab nach, Aktien- und Rohstoffpreise fielen auf breiter Front.
Der einschlägige GSCI-Index von Standard & Poor's fiel am Mittwoch auf ein Fünfmonatstief von 624 Punkten. Der Index zeichnet die Preisentwicklung von 24 Rohstoffen nach. Neben Energieträgern wie Öl verbilligten sich zuletzt vor allem Industrierohstoffe wie Kupfer - ein klarer Hinweis, dass Anleger eine weitere Abkühlung der Konjunktur befürchten. Neben der Euro-Krise trübte zuletzt auch die Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums die Stimmung. China ist der weltgrößte Rohstoffverbraucher.