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Merken   Drucken   20.12.2011, 15:02 Schriftgröße: AAA

Emissionshandel: EU-Parlament jagt CO2-Preis in die Höhe

Der Handel mit Verschmutzungsrechten soll einen Anreiz zum Klimaschutz bieten. Doch die Zertifikate sind zu billig. Der Umweltausschuss in Brüssel will deshalb das Angebot verringern - die Märkte reagieren beeindruckt.
© Bild: 2010 AP
Der Handel mit Verschmutzungsrechten soll einen Anreiz zum Klimaschutz bieten. Doch die Zertifikate sind zu billig. Der Umweltausschuss in Brüssel will deshalb das Angebot verringern - die Märkte reagieren beeindruckt.
Verschmutzungsrechte für den Ausstoß von Treibhausgasen haben sich am Dienstag um mehr als 30 Prozent verteuert. Emissionszertifikate zur Lieferung in einem Jahr kosteten an der Londoner Terminwarenbörse ICE Futures Europe in der Spitze 9,75 Euro. Anlass für den Kurssprung war eine Abstimmung des Umweltausschusses im EU-Parlament. Die Abgeordneten sprachen sich dafür aus, das Angebot an verfügbaren Verschmutzungsrechten bis 2020 um bis zu 1,4 Milliarden Zertifikate zu kürzen. Das entspräche einem Minus von rund einem Zehntel der bislang eingeplanten Menge.
Hintergrund ist der seit Monaten anhaltende Preisverfall am Emissionshandelsmarkt. In der vergangenen Woche war der Kurs des meistgehandelten CO2-Terminkontrakts auf ein Rekordtief von 6,30 Euro gefallen. Damit schwindet der Anreiz für Unternehmen, ihren Ausstoß an Treibhausgasen zu verringern, um Kosten zu sparen. Grund für den Kursrutsch ist das große Angebot an Emissionszertifikaten in Kombination mit der Konjunkturabkühlung. Die Unternehmen stellen sich darauf ein, dass mit der Industrieproduktion auch der Co2-Ausstoß und damit der Bedarf an Verschmutzungsrechten zurückgeht.
Zwar sehen die Klimaschutzbeschlüsse der EU bereits vor, die Zahl der derzeit rund 2 Milliarden Emissionszertifikate ab 2013 jährlich um rund 37 Millionen zu senken. Der Umweltausschuss hält das für unzureichend. Seine Mitglieder fordern eine Verminderung um rund 48 Millionen Zertifikate pro Jahr.
Eine knappe Mehrheit sprach sich zudem dafür aus, 1,4 Milliarden Zertifikate in eine Art stille Reserve zu packen. Sie reagierten damit auf einen Vorstoß der EU-Kommission vom Frühjahr. Die Brüsseler Behörde hatte damals die "Stilllegung" von Zertifikaten für den Fall empfohlen, dass die Papiere trotz der geplanten Reduzierung weiter an Wert verlieren sollten.
Das Votum des Umweltausschusses ist aber nicht verbindlich. Für eine Änderung der Emissionsregeln ist die Mehrheit aller Parlamentsabgeordneten sowie die Zustimmung der EU-Regierungen erforderlich.
Die Pläne haben keine unmittelbaren Folgen für den Luftverkehr, der ab 2012 ebenfalls in den Emissionshandel einbezogen werden soll. Die Fluggesellschaften sollen ein Sonderkontingent an Verschmutzungsrechten erhalten. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) entscheidet am Mittwoch über Klagen mehrerer amerikanischer Airlines gegen das Vorhaben der EU, auch ihre Flüge von und nach Europa in den Emissionshandel einzubeziehen.
  • FTD.de, 20.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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