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Merken   Drucken   03.11.2008, 13:32 Schriftgröße: AAA

Ende der Hausse: Deflationsangst drückt Goldpreis

Das Edelmetall gilt als sicherer Hafen und verteuerte sich im März auf über 1000 $. Doch während der Krise büßte Gold seinen Nimbus ein. Das liegt auch daran, dass die Teuerungsgefahr zurückgeht und die Angst vor einer Deflation wächst.
von Tobias Bayer (Frankfurt)

Das "D-Wort" geistert durch den Kapitalmarkt. Stand wochenlang die Furcht vor Inflation im Fokus, so wachsen nun zunehmend die Sorgen vor einer deflationären Rezession: Eine Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen, sinkenden Unternehmensgewinnen und steigender Arbeitslosigkeit.

Wie groß die Ängste sind, zeigt sich am Goldpreis. Das gelbe Edelmetall dient als Inflationsschutz - und verlor zuletzt deutlich an Wert. Im Oktober gab der Preis um 17 Prozent auf 724,55 $ je Feinunze (31,1 Gramm) nach. Noch im März hatte Gold das historische Hoch von 1033,90 $ erklommen.

"Gold wird momentan nicht als sicherer Hafen angesehen. Die Investoren erachten es als Teil der Rohstoffklasse, die momentan abgestraft wird", sagte Joel Crane, Stratege bei der Deutschen Bank. Er hält sogar einen Preisrückgang auf 600 $ für möglich. Das wäre der tiefste Stand seit zwei Jahren.

Seit Juli büßte der Reuters/Jefferies-CRB-Rohstoffindex 43 Prozent seines Werts ein. In dem Index sind 19 Rohstoffe zusammengefasst. Am Montag konnte Gold den Abwärtstrend stoppen. Dank eines schwächeren US-Dollars legten die Notierungen um 10 $ auf 735 $ zu.

Inflationsrisiken rücken aus dem Blick

Bei Notenbankern und Experten gewinnt die Deflationsgefahr an Bedeutung. Diese Neubewertung findet vor dem Hintergrund einer sich eintrübenden Weltwirtschaft statt. So schrumpfte die US-Wirtschaft im dritten Quartal um auf das Jahr hochgerechnet um 0,3 Prozent. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert für 2009, dass die Industrieländer so langsam wachsen wie seit 1982 nicht mehr.

Die Zentralbanken senkten zuletzt aggressiv die Zinsen, in den USA und Japan ist sogar ein Leitzins von Null denkbar. In dieser Richtung äußerte sich beispielsweise Janet Yellen, die Chefin der Disktriktnotenbank San Francisco.

Auch in Europa wird das Thema debattiert. In Großbritannien warnte Bank-of-England-Ratsmitglied David Blanchflower vor einem deflationären Szenario. Auch bei der Europäischen Zentralbank (EZB) gibt es entsprechende Stimmen. "Geldpolitik muss in Zeiten großer Unsicherheit die Balance wahren. Also muss sie einserseits die sich abschwächende Inflation beobachten, andererseits muss sie die Gefahren einer Deflation stoppen", sagte Erkki Liikanen, finnisches EZB-Ratsmitglied vergangene Woche. "Liikanen ist der erste EZB-Offizielle, der das Deflationsrisiko erwähnt", strichen die Volkswirte von Unicredit heraus.

Teil 2: Kürzere Lieferzeiten in Deutschland

  • FTD.de, 03.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland
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