Die Goldeuphorie der vergangenen Jahre ist merklich abgeebbt. Seit dem Rekordhoch von 1909 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) im Herbst 2011 gleicht der Kursverlauf einer Achterbahnfahrt. In einer Spanne von 1530 bis 1800 Dollar geht es seitdem ständig auf und ab.
Nach dem jüngsten Rückgang auf aktuell rund 1700 Dollar sehen Analysten nun wieder gute Einstiegschancen. Die Schweizer Bank Credit Suisse rechnet damit, dass Gold das obere Ende der jüngsten Kursspanne demnächst erneut angreifen wird. Noch einen Schritt weiter geht die Commerzbank . Sie sieht den Goldpreis bis zum Jahresende sogar auf 1900 Dollar steigen und rechnet spätestens im ersten Quartal 2013 damit, dass der bestehende Rekord fällt. Die DZ Bank fordert Anleger direkt dazu auf, die aktuelle Schwächephase zum Aufbau von Goldpositionen zu nutzen. "Der Weg in Richtung 2100 Dollar ist frei", heißt es in der aktuellen Rohstoffstudie des Instituts.
Neben bekannten Argumenten wie Angst vor Inflation, negativen Realzinsen, ultralockerer Geldpolitik, nachhaltigem Investoreninteresse spricht auch die Saisonalität für steigende Goldpreise. Demnach ist die Phase zwischen Ende Oktober und Mitte Februar positiv für das Edelmetall. In Indien etwa findet im nächsten Monat Diwali statt, ein hinduistisches Lichterfest. In diese Zeit fallen viele Hochzeiten, bei denen traditionell gern Goldschmuck verschenkt wird. In der Vergangenheit sind die Notierungen in diesem Zeitraum überwiegend gestiegen.
Passend zu den positiven Aussichten hat die Börse Stuttgart über eine Tochtergesellschaft vor einigen Wochen mit Euwax Gold ein neues Produkt für Privatanleger an den Markt gebracht. Die Schwaben treten damit in direkte Konkurrenz zu der bereits vor fünf Jahren emittierten Xetra-Goldanleihe von Deutsche Börse Commodities. Bei beiden Papieren handelt es sich jeweils um einen mit physischem Gold hinterlegten Exchange-Traded Commodity (ETC) mit Auslieferungsanspruch, dessen Wert in der Regel einem Gramm Feingold (aktuell rund 43 Euro) entspricht.
Bei Euwax Gold orientiert sich der Preis allerdings nicht direkt an den Börsennotierungen des Edelmetalls, sondern am Preis eines 100-Gramm-Goldbarrens, der wegen Herstellungs- und Transportkosten grundsätzlich etwas höher liegt. Dadurch zahlen Anleger bei Euwax Gold aktuell rund 1,5 Prozent mehr als für Xetra-Gold. Was auch daran liegt, dass der Spread zwischen An- und Verkaufskurs deutlich höher ist. Andererseits fallen bei den Stuttgartern keine Verwahrungskosten an (Xetra-Gold: 0,3 Prozent plus Mehrwertsteuer), und die erste Auslieferung der Goldbarren ist ebenfalls kostenlos. Ein abschließendes Urteil darüber, welches das "bessere" Produkt ist, hängt daher stark davon ab, in welcher Größenordnung Investoren hier agieren wollen und ob eine spätere Auslieferung (bei Euwax Gold erst ab 100 Stück) wahrscheinlich ist.
Unabhängig davon sollten Anleger immer den Einfluss der Währung beachten. Weil Gold traditionell in US-Dollar gehandelt wird, die Produkte aber in Euro notieren, haben Veränderungen der Wechselkurse einen direkten Einfluss auf den Anlageerfolg. Gewinnt der Euro gegenüber dem Dollar an Wert, hat das einen ungünstigeren Umrechnungskurs zur Folge und somit auch eine Verschlechterung der Performance. In der Vergangenheit war das gerade bei steigenden Goldpreisen häufig der Fall. Alternativ bietet sich deshalb der ebenfalls mit einer Goldhinterlegung besicherte ETC der Deutsche-Bank-Tochter DB ETC an, der sich auf eine zehntel Feinunze, also gut 3,1 Gramm Gold, bezieht. Für eine Jahresgebühr von knapp 0,6 Prozent wird der Währungseinfluss ausgeschaltet, sodass sich der Kursverlauf an der tatsächlichen Goldpreisentwicklung an der Börse orientiert. Eine physische Auslieferung der Barren ist hier allerdings nicht möglich.
Neben den klassischen Partizipationsprodukten können risikofreudige Anleger ihre Goldinvestments auch mit einem Hebeleffekt versehen. Steigende Preise des Edelmetalls führen dann zu überproportionalen Gewinnen. Allerdings wirkt dieser Hebel bei fallenden Notierungen auch in die andere Richtung, sodass im schlimmsten Fall sogar der Totalverlust droht. Dagegen sollten sich Anleger unbedingt mit Stoppkursen absichern. Mit der Commerzbank und der Royal Bank of Scotland bieten zwei Emittenten solche Knock-out-Papiere auch mit einem Währungsschutz an.