Minus 18 Prozent beim Kupferpreis , minus 25 Prozent bei Zinn, oder minus 15 Prozent bei Platin : Die Preise der meisten konjunktursensitiven Rohstoffe sind in diesem Jahr deutlich gesunken. Die Ausnahme: Öl. Für die US-Sorte WTI steht ein Plus von 3,6 Prozent auf derzeit 97 Dollar je Barrel (159 Liter) zu Buche, bei der Nordsee-Sorte Brent sind es 12,8 Prozent auf 108 Dollar.
Nach Ansicht einiger Marktteilnehmer ist der Preis aber noch nicht hoch genug. Trotz Rezessionsangst in den USA und Europa sowie zuletzt schwächeren Wachstumszahlen aus China oder Brasilien nehmen die Wetten auf steigende Preise zu.
So haben sich spekulative Anleger an der Rohstoffbörse Nymex derzeit in Richtung steigender Preise positioniert (Open Interest). Seit dem 8. Dezember ist die Zahl der Kaufoptionen für WTI-Öl zu 150 Dollar im Dezember 2012 um 29 Prozent angestiegen. Die gehandelten Kontrakte - zahlen- und volumenmäßig mehr als alle anderen an der Nymex gehandelten Lieferpapiere - entsprechen 38 Millionen Barrel Öl. Dies ist etwas weniger als die Hälfte des durchschnittlichen weltweiten Tagesbedarfs an Rohöl.
Analysten machen für diese Entwicklung die Iranpolitik der Europäer und Amerikaner verantwortlich. Diese wollen den islamischen Gottesstaat etwa über eine Begrenzung der Ölexporte zum Einlenken im Streit um sein Atomprogramm bewegen. Iran ist der zweitgrößte Ölproduzent innerhalb der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec).
Seitdem die Uno-Inspekteure den Bericht zum iranischen Atomprogramm veröffentlichten, stieg der Preis für die Option zu 150 Dollar der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge um 7,6 Prozent auf 1,30 Dollar. Der Ölpreis selbst kletterte im selben Zeitraum gerade einmal um gut drei Prozent. Schon Ende November, als die angelsächsischen Staaten Sanktionen für das iranische Finanzsystem eingeführt hatten, war das Open Interest stark angestiegen, ebenso als iranische Demonstranten die britische Botschaft in Teheran angriffen. Zurzeit diskutieren die westlichen Industriestaaten über weitere Sanktionen gegen den Iran, etwa ein Exportverbot nach Europa.
Teil 2: Iran gibt sich gelassen