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Merken   Drucken   27.01.2011, 13:04 Schriftgröße: AAA

Lebensmittel-Inflation: Hoher Reispreis löst Panikkäufe aus

Bangladesch will bis Ende Juni doppelt so viel Reis importieren wie bislang geplant. Die Preise in dem bitterarmen Land bewegen sich auf Rekordniveau. Die Weltbank sieht in den steigenden Kosten für Lebensmittel eine der größten Gefahren für die Wirtschaft.
Rekordpreise für Reis alarmieren die asiatischen Staaten. Bangladesch kündigte eine Verdopplung der Einfuhren des wichtigen Grundnahrungsmittels an. Die Regierung begründete diesen Schritt mit Panikkäufen. "Die Bevölkerung ist verunsichert. Leute, die normalerweise zehn Kilogramm benötigen, kaufen mehr als 20 Kilo", zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag den Leiter der Beschaffungsabteilung im Generaldirektorium für Lebensmittel, Badrul Hasan.
Wetterphänomen „La Nina“ treibt die Rohstoffpreise in die Höhe   Wetterphänomen „La Nina“ treibt die Rohstoffpreise in die Höhe
Damit zeichnet sich bei Reis ein ähnliches Problem ab wie bei Weizen, dessen Verteuerung eine Welle von Großbestellungen vor allem nordafrikanischer und arabischer Länder ausgelöst hat. Die Regierungen reagieren damit auf die Proteste in Tunesien und Ägypten, die sich unter anderem an den hohen Lebensmittelpreisen entzündeten. Eine Vertreterin der Weltbank bezeichnete die Teuerung bei Nahrungsmitteln vor diesem Hintergrund sogar als "eine der größten Bedrohungen für die wirtschaftliche Erholung und die soziale Stabilität".
Reis wurde international bislang weniger stark beachtet als Weizen, weil der Weltmarktpreis im vergangenen Jahr verglichen mit anderen Getreidesorten nur geringfügig zulegte. In Asien sieht das anders aus: In Bangladesch erreichte der Reispreis im Dezember einen Rekord. Laut Berechnungen der Uno-Landwirtschaftsorganisation FAO verteuerte sich das Getreide im vergangenen Jahr um mehr als 40 Prozent. Auch in Indonesien, Vietnam und Laos zogen die Preise kräftig an.
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Der FAO-Experte Abdolreza Abbassian weist darauf hin, dass gerade der Reismarkt sehr empfindlich sei. "Wenn der Preis steigt, dann schlägt er alle anderen Märkte, weil es nur wenige Exporteure gibt", sagte Abbassian der Nachrichtenagentur Bloomberg. In den beiden wichtigsten Exportländern Thailand und Vietnam droht die Produktion in diesem Jahr zurückzugehen: Die Ernte in Thailand werde in der aktuellen Saison voraussichtlich um 1,6 Prozent auf 31,7 Millionen Tonnen schrumpfen, teilten die Behörden des Landes am Donnerstag mit. Auch in Vietnam wird ein leichter Rückgang der Jahresernte erwartet, von 39,99 Millionen auf 39,75 Millionen Tonnen.
Um trotz wachsender Weltbevölkerung den weiteren Anstieg der Lebensmittelpreise zu bremsen, ist nach Einschätzung der Weltbank eine verstärkte Unterstützung der Bauern in Afrika notwendig. "Wir brauchen mehr Investitionen in Afrika, weil sich dort mehr als 50 Prozent der landwirtschaftlich bestellbaren Fläche befinden", sagte Ngozi Okonjo-Iweala, die als eine von drei Managing Directors zur Führungsspitze der Weltbank gehört, auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.
Eine schärfere Regulierung von Rohstoffspekulanten hält die Nigerianerin dagegen für weniger dringlich. "Wir müssen uns vor übertriebener Regulierung in Acht nehmen. Wir brauchen eine gewisse Überwachung, aber keine harte Hand." Für eine schärfere Regulierung der Rohstoffmärkte macht sich unter anderem der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy stark, der das Thema ganz oben auf das Arbeitsprogramm der Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) gesetzt hat. Frankreich führt dort in diesem Jahr den Vorsitz.

Teil 2: Geldstrafe für Reis-Spekulanten

  • FTD.de, 27.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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