Zwar sorgen sich Investoren nach wie vor wegen dieser Drohung Teherans, da eine Blockade des Seeweges eine starke Verknappung auf dem Weltmarkt bedeuten würde. Für die jüngste Preissteigerung war jedoch weniger der Blick auf das Angebot, als vielmehr die Entwicklung der Nachfrage maßgeblich: Der chinesische Einkaufsmanagerindex ist besser ausgefallen als erwartet - und auch Indien meldete robuste Konjunkturdaten.
Die Zahlen deuten auf einen steigenden Ölbedarf in den asiatischen Volkswirtschaften hin und nehmen Anlegern die Furcht vor einem Konjunktureinbruch in China. Analysten sehen darin den Hauptgrund für das Kursplus: "Der Optimismus war ausschlaggebend", sagt Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. "Das geopolitische Risiko hat sich über mehrere Tage aufgestaut, das war heute nicht entscheidend." Zudem habe der schwache Dollar dem Ölpreis geholfen.
Auch Frank Schallenberger, Analyst der LBBW, vertritt die These, dass die positiven Konjunktursignale den Großteil der kleinen Öl-Rally ausgemacht haben. Der Stand der Dinge im Iran habe sich nicht entscheidend verändert: "Bis jetzt sind das nur politische Muskelspiele."
Wenn mit der Straße von Hormus allerdings tatsächlich die "Hauptschlagader des Ölhandels" blockiert würde, sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Brent die 120er-Marke überschreitet, sagt Schallenberger. Auch Weinberg sieht in diesem Fall eine deutliche Verteuerung auf den Markt zukommen: "Dann kann man fast jeden Preis rechtfertigen - es geht einfach nicht ohne die Straße von Hormus."