Stefan Riße
Herr Riße, Sie beschäftigen sich seit rund 25 Jahren mit den Finanzmärkten. War es in den 80er-Jahren an der Börse im Vergleich zu heute nicht furchtbar langweilig?
Stefan Riße: Ich habe angefangen, mich für die Börse zu interessieren, weil meine Freunde aus dem Radsport mittendrin waren. Und in der Hausse Anfang der 80er-Jahre gab es Emissionen wie Puma und Hugo Boss, das waren spannende Geschichten. Damals war der Hype fast so groß wie Ende der 90er bei den Technologiewerten.
Wie liefen Ihre ersten Investments?
Stefan Riße: Zunächst zahlt jeder Lehrgeld. Ich erinnere mich noch genau: Ich stieg bereits mit 17 und der Unterschrift meiner Eltern in den Optionshandel ein. Der war zu diesem Zeitpunkt ein Freiverkehrsmarkt und Vollkaufleuten vorbehalten. Das wusste die Sparkasse in Bremen aber nicht. Und so kaufte ich meine ersten Optionen: Commerzbank, Basispreis 300 zu 8 Mark. Sie stiegen bis auf 30, doch ich wollte 32 haben, um vor meinen Freunden mit 300 Prozent prahlen zu können. Und so erlebte ich den ersten Totalverlust.
Was haben Sie daraus gelernt?
Stefan Riße: Sehr viel, allerdings mit ein wenig Zufall. Denn ich begegnete kurz darauf dem Börsenidol André Kostolany bei einer Signierstunde in einer Bremer Buchhandlung. Ich hatte alle Bücher von ihm verschlungen und war sehr stolz, als junger Kerl mit ihm in Kontakt zu kommen. Nach der Lesung verfrachtete er mich in sein Taxi, vermittelte mir auf dem Weg zum Flughafen einige Börsenhintergründe und gab mir seine Telefonnummer. Ab diesem Moment hatte ich bis zu seinem Tod intensiven Kontakt zu Kostolany. Ich konnte nicht nur mit ihm zusammenarbeiten, sondern auch immens von seiner Erfahrung profitieren.