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Merken   Drucken   16.12.2010, 18:23 Schriftgröße: AAA

Regulierung: US-Aufsicht will Spekulation mit Rohstoffen bremsen

CFTC-Chef Gary Gensler schlägt eine Begrenzung der Handelsmengen vor. In Kraft treten werden die neuen Regeln aber erst in Monaten. Die Regulierer hinken dem vom US-Kongress vorgeschriebenen Zeitplan hinterher.
Die US-Terminbörsenaufsicht CFTC hat ihre mit Spannung erwarteten Pläne zur Eindämmung der Spekulation auf den Rohstoffmärkten veröffentlicht. Die Regulierungskommission legte am Donnerstag in Washington Formeln für die Berechnung sogenannter Positionslimits vor. Sie begrenzen die Zahl der Termingeschäfte mit Öl, Erdgas, Metallen und Agrarrohstoffen, die einzelne Marktteilnehmer abschließen dürfen. Für Mais, Weizen, Sojabohnen und Baumwolle gibt es solche Mengenbeschränkungen bereits.
CFTC-Chef Gary Gensler   CFTC-Chef Gary Gensler
Über den Einfluss von Spekulanten auf den Rohstoffmarkt wird verstärkt diskutiert, seit der Ölpreis im Sommer 2008 ein Rekordhoch von 147,27 Dollar pro Barrel (159 Liter) erreichte. Mit den Positionslimits sollen die Aktivitäten von Marktteilnehmern beschränkt werden, die an den Rohstoffen selbst gar nicht interessiert sind, sondern nur auf die Preisentwicklung wetten. Das funktioniert zum Beispiel, indem man einen Terminkontrakt über den Verkauf von Öl in der Zukunft abschließt - zu einem vorab festgelegten Preis. Sinken bis zur Abwicklung des Geschäfts die Ölpreise, so streicht der Verkäufer einen Gewinn ein.
Termingeschäfte werden allerdings auch von Marktteilnehmern getätigt, die tatsächlich Rohstoffe benötigen und sich mit den Derivaten gegen Preisschwankungen absichern (hedgen). Neben Banken wie Goldman Sachs  hatte deshalb auch der Ölkonzern Shell  einen ersten Entwurf der CFTC vom Januar als zu restriktiv kritisiert.
Die neuen Vorschläge sehen jetzt Ausnahmen von den Handelsbeschränkungen für Banken vor, die im Auftrag von Industriekunden und anderen Rohstoffverwertern Hedging-Geschäfte abwickeln. Diese Geschäfte sollen auf die von den Banken im eigenen Interesse abgeschlossenen Kontrakte nicht angerechnet werden.
Den Handel mit kurzfristigen Terminkontrakten, die sich auf den Folgemonat beziehen, will die CFTC auf 25 Prozent der lieferbaren Menge begrenzen. Bei allen längerfristigen Geschäften hängt die Grenze von der Gesamtmenge der gehandelten Kontrakte ab. Schließt ein Marktteilnehmer maximal 25.000 Terminkontrakte ab, so dürfen diese einen Anteil von zehn Prozent sämtlicher offenen Handelspositionen zu dem jeweiligen Rohstoff erreichen. Folgen weitere Geschäfte, so dürfen diese noch maximal 2,5 Prozent der offenen Positionen ausmachen.
Unklar ist bislang allerdings noch, wie die Gesamtzahl offener Handelspositionen bestimmt werden soll. Derivate werden zu einem Großteil außerbörslich gehandelt. "Wir können keine Positionslimits durchsetzen, ohne die gesamte Größe des Marktes zu kennen", warnte am Donnerstag Scott O'Malia, eines von fünf Mitgliedern der Regulierungskommission. Um die Regeln für die längerfristigen Kontrakte durchzusetzen, müsse seine Behörde noch mehr Informationen über den außerbörslichen Derivate-Handel sammeln, räumte CFTC-Chef Gensler bereits am Mittwoch ein. An den meisten Börsen gibt es bereits Positionslimits.
Die Marktteilnehmer haben nun 60 Tage Zeit, zu den Plänen Stellung zu nehmen. Die CFTC verdoppelte damit die übliche Frist. Laut der im Sommer verabschiedeten US-Finanzreform sollten die Handelsgrenzen für Energierohstoffe und Metalle eigentlich schon Mitte Januar verbindlich eingeführt werden. Dieser Termin sei nicht mehr zu halten, sagte Gensler: "Ich hoffe, dass wir in den nächsten Monaten zumindest die Regeln für die kurzfristigen Kontrakte abschließen können."
  • FTD.de, 16.12.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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