Am Dienstag kletterten die Notierungen in mehreren Währungen, darunter in Euro und Pfund, auf neue Höchststände. Für eine Feinunze mussten im späten New Yorker Handel in der Spitze 974 $ gezahlt werden. Edelmetallanalysten gehen davon aus, dass Gold die Marke von 1000 $ womöglich noch diese Woche erreichen könnte. Im Sog des Goldpreises verteuerte sich auch Silber auf 14,26 $ je Feinunze und damit den höchsten Stand seit fast fünf Monaten.
"Gold ist derzeit das dominante Thema der Anleger bei Rohstoffen", so die Analysten von Barclays Capital. "Die Finanz- und Wirtschaftskrise und die massive Reflationierungspolitik der Regierungen und Zentralbanken lassen die Anleger regelrecht in Gold flüchten", sagte Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank. Besonders auffällig ist derzeit das starke Interesse an Gold zu Investitionszwecken. Dabei sind vor allem börsengehandelte Fonds (ETF) beliebt. So stiegen allein in der vergangenen Woche die Bestände des weltgrößten und populärsten Gold-ETF, dem SPDR Gold Trust, um 118 Tonnen auf knapp 986 Tonnen.
"Die Nachfrage nach Investmentgoldbarren in Europa hält unvermindert an", sagte auch Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Leiter Marketing und Sales beim Edelmetallhändler Heraeus. "Unsere Barrenproduktion läuft aus diesem Grund weiter auf Höchsttouren." Daher seien auch lange Lieferzeiten weiterhin nicht auszuschließen. Auch Münzen sind nach wie vor massiv gefragt. So berichten Münzanstalten weltweit von einer beispiellosen Nachfrage. Weil die Produktion von US-Münzen nicht nachkommt, weichen US-Anleger unter anderem nach Australien aus.
Aber auch Käufe der Zentralbanken, die den Wert ihrer Reserven bewahren wollen, werden von Marktteilnehmern als Grund für die steigenden Notierungen genannt. So teilte am Dienstag der stellvertretende russische Notenbankgouverneur, Alexei Uljukajew, mit, sein Haus habe den Goldanteil der Reserven 2008 erhöht und wolle dies auch 2009 fortsetzen. Konkrete Zahlen nannte er jedoch nicht.
Die hohen Preise rufen zudem auch wieder Spekulanten auf den Plan. So kletterten die spekulativen Netto-Long-Positionen an der New Yorker Rohstoffbörse Comex in der Woche zum 10. Februar um 8000 auf 163.622 Kontrakte und erreichten damit den höchsten Stand seit sechs Monaten.
Nachfrage nach Schmuckgold bricht ein
Dagegen lassen die Rekordpreise die Nachfrage in der Schmuckindustrie massiv einbrechen. So hat Indien als normalerweise weltweit größtes Importland im Februar bislang überhaupt kein Gold eingeführt, wie Vertreter der Bombay Bullion Association mitteilten. Schon im Januar waren die Importe auf 1,8 Tonnen von 24 Tonnen im Vorjahresmonat eingebrochen. Der vorhandene Bedarf kann nach Aussagen der Verbandsvertreter vollständig mit dem Rücklauf an Altgold gedeckt werden.
Doch solange die Investmentnachfrage in die Bresche springt, dürfte dies den Goldpreis nicht belasten, sind die Bankanalysten überzeugt. "Fonds stecken riesige Geldbeträge in Gold und kaufen auf fast jedem Unterstützungsniveau", sagte Si Kannan, Vice President bei Kotak Commodity Services in Mumbai. "Angesichts der weltweiten Unsicherheiten kann man sicher sein, dass Gold seinen Aufwärtsmarsch fortsetzen wird."
Als weiteren Treiber nennt Frank Schallenberger, Rohstoffexperte der LBBW, dass die Produktion der Goldminen 2009 erneut sinken dürfte. Zudem sei das Verkaufsprogramm der Schweizerischen Notenbank ausgelaufen, die in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich 150 Tonnen pro Jahr auf den Markt brachte. Auch das Verkaufsprogramm der Banque de France laufe aus.