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Merken   Drucken   06.10.2009, 10:44 Schriftgröße: AAA

Rohstoffe: Russland pumpt so viel Öl wie nie

Russland hängt Saudi-Arabien weiter ab. An den Märkten macht eine Meldung über einen Geheimplan der Ölexporteure die Runde. Demnach wollen Russen und Chinesen den Dollar als Ölwährung ersetzen. Die Kurse schlagen aus.
von Frankfurt

Die russische Ölproduktion ist im September zum ersten Mal überhaupt auf 10 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag gestiegen. Damit baut das Land seine Position als derzeit weltgrößte Ölexportnation vor Saudi-Arabien weiter aus. Nach Schätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) pumpte Riad im August nur 8,2 Millionen Barrel täglich.

Maßgeblich für den Anstieg war die Inbetriebnahme des riesigen Vankor-Ölfeldes durch den staatlichen russischen Ölkonzern Rosneft im August. Aus Vankor sollen bis Ende des Jahres 220.000 Barrel pro Tag gefördert werden. Das Maximum beziffern die Beteiligten auf 510.000 Barrel täglich, das bis 2014 erreicht werden soll.

Markt blendet hohe Förderung und Bestände aus

Russland konterkariert damit Bestrebungen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), den Ölpreis durch Förderkürzungen zu beschränken. Das Kartell selbst ist nicht sonderlich diszipliniert. Die elf Mitgliedsstaaten, den Irak nicht mitgerechnet, pumpten zuletzt 26,25 Millionen Barrel täglich. Damit liegen sie 1,4 Millionen Barrel über ihrem gesetzten Ziel. Die im September 2008 beschlossene Kürzung wird so nur zu 66 Prozent umgesetzt.

Auf den Ölpreis hat die starke Förderung Russlands aber keine Auswirkung. US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) notierte am Dienstag bei 70 $ je Barrel. Aus Sicht der Analysten stehen momentan Hoffnung auf eine Erholung der Weltwirtschaft und Bewegungen der Aktienmärkte im Mittelpunkt des Interesses.

Russlands Förderung ist so hoch wie nie. Hier das ...   Russlands Förderung ist so hoch wie nie. Hier das Mamontovskoye-Ölfeld

Trotz hoher Lagerbestände - gerade bei mittleren Destillaten sind die Vorräte in den USA und Europa nahe einem historischen Hoch -, spiegeln die Preisverhältnisse eine Knappheit wider. Die Differenz zwischen Öl zur Lieferung im Dezember gegenüber Öl zur November-Erfüllung betrug am Montag nur 0,20 $. Sollte der Kassapreis über den Terminpreis steigen - die Konstellation wird als "Backwardation" bezeichnet -, wäre das sogar ein Signal für Engpässe.

Tim Evans, Analyst bei Citi Futures Perspectives, kann das nicht nachvollziehen. "In den USA liegen die Rohölbestände rund 15 Prozent über dem Stand des Vorjahres. Damals schloss der Kassapreis am Monatsende unter dem Terminpreis", schrieb Evans in einem Researchbericht.

Teil 2: Angeblicher Geheimplan sorgt für Aufsehen

  • FTD.de, 06.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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