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Merken   Drucken   04.05.2011, 12:31 Schriftgröße: AAA

Schwindendes Vertrauen: Investoren zittern um Silber-Rally

Innerhalb weniger Tage wird das vermeintliche Krisenmetall zum Wackelkandidaten: Silber erlebt den heftigsten Dreitagesverlust seit fast drei Jahren. Am Markt wächst die Furcht vor einem Absturz. von Christine Mai  Frankfurt
Steigende Handelskosten und Gewinnmitnahmen lassen den Silberpreis weiter einbrechen. Terminkontrakte auf das Edelmetall zur Lieferung im Juli verloren am Mittwoch zeitweise fünf Prozent auf 40,465 je Feinunze (31,1 Gramm). Auch wenn der Preis zwischenzeitlich immer wieder stieg, beläuft sich der Preisrückgang über die vergangenen drei Tage damit insgesamt auf rund 16 Prozent - so viel hat das Edelmetall seit März 2008 in einer solchen Periode nicht eingebüßt. Auch Gold lag leicht im Minus.
Die Warenterminbörse CME Group hatte zuvor mehrfach die Sicherheitsleistungen für den Handel mit Silberkontrakten angehoben. Marktakteure müssen für ihre Wetten auf das Edelmetall somit mehr Kapital einzahlen. Hinzu kam ein Bericht des "Wall Street Journal", wonach große Investoren, darunter der Hedge-Fonds des bekannten Investors George Soros, Gold und Silber verkaufen.
Silber gilt - wie Gold - als Alternative zu Papiergeld   Silber gilt - wie Gold - als Alternative zu Papiergeld
Damit wachsen die Sorgen vor einer heftigen Preiskorrektur. Gerade Silber erlebt seit dem vergangenen Jahr eine enorme Rally. Angesichts der Dollar-Schwäche und der Sorge vor Inflation oder Deflation setzten viele Anleger seit einer Weile auf Edelmetalle, die als krisensicher und Alternative zu Papiergeld angesehen werden.
Eine Reihe von Investoren ziehen Silber Gold vor, unter anderem, weil das weiße Edelmetall deutlich billiger ist - der Goldpreis durchbrach kürzlich die Marke von 1500 Dollar je Feinunze. Allein von Jahresanfang bis Ende April verteuerten sich Terminkontrakte auf Silber um 57 Prozent. Der Preis testete vor kurzem noch die 50-Dollar-Marke. Die Hausse erinnert an die späten 1970er-Jahre, als die Gebrüder Hunt den Preis durch Marktmanipulationen von 2 Dollar je Unze auf den Rekordstand von 50,35 Dollar peitschten. Ein Eingriff der Aufseher brachte die Blase zum Platzen, die Hunts gingen Pleite.
Auch wenn Silber in der Industrie verwendet wird, treibt doch das Interesse von Anlegern den Preis maßgeblich an. Auch spekulativ agierende Investoren sind in dem Markt aktiv. Das birgt Gefahren, da sie sich jederzeit massenhaft zurückziehen können. Die Furcht vor einer solchen Flucht dürfte hinter der Entscheidung der CME stehen, die Sicherheitsleistungen anzuheben. Börsenbetreiber reagieren so auf eine erhöhte Schwankungsanfälligkeit des Markts - denn reichen die Sicherheiten nicht aus, können sie selbst auf Verlusten sitzen bleiben.
Die höheren Kosten für den Handel mit Silberkontrakten führten zu einer Verkaufswelle. Hinzu kommt nun der Bericht, wonach Soros und andere angesehene Investoren Gold und Silber abstoßen. Sie tun dies allerdings laut dem Bericht aus verschiedenen Gründen. In der 28 Mrd. Dollar schwere Hedge Fonds Soros Fund Management sieht man demnach ein gesunkenes Risiko, dass es zu einer Deflation kommt. Die Furcht davor war der Grund dafür, dass der Fonds auf die vermeintlichen Krisenmetalle setzte. Der Investor John Burbank wolle sich hingegen Gewinne sichern und sehe die langfristige Entwicklung von Gold weiter positiv.
"Ein Umschwung von 20 Prozent oder mehr, der zu einer Rückkehr in die Gegend um 35 Dollar führen würde, würde uns überhaupt nicht überraschen", schrieb Edel Tully von UBS. "Silber wird hin- und hergerissen zwischen schwachen Fundamentaldaten und einer starken Nachfrage von Privatinvestoren, wobei letztere dominieren", sagte Suko Cooper von Barclays Capital. Cooper beobachtet allerdings ein Umdenken bei Anlegern. Börsengehandelte Silberprodukte hätten in letzter Zeit geringere Zuflüsse angezogen.
Daten der Terminbörsenaufsicht Commodities and Futures Exchange Commission (CFTC) für die Woche bis zum 26. April zeige, dass "taktische Investoren ihr Engagement bei Gold und Silber verringert haben, währen sie ihre Nettokaufpositionen über den Edelmetallsektor insgesamt vergrößert haben".
  • FTD.de, 04.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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