Die Nachfrage nach Goldbarren und Münzen ist im dritten Quartal eingebrochen. Nach Angaben des World Gold Council (WGC) ging die Nachfrage im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um elf Prozent auf 1084,6 Tonnen zurück.
Dennoch gehen die Experten davon aus, dass 2012 ein Rekordjahr für die Goldnachfrage wird. So sagte WGC-Chefanalyst Marcus Grubb: "Das Quartal war schlecht, aber wir haben auf das Gesamtjahr betrachtete immer noch eine höhere Nachfrage als im vergangenen Jahr - und das war das beste seit 1964. Wenn wir also noch einmal eine Nachfrage von 100 Tonnen oder mehr im vierten Quartal sehen, dann wird 2012 besser sein als 2011."
Seit Jahresbeginn ist der Goldpreis um 10 Prozent auf aktuell 1724 Dollar je Feinunze (31 Gramm) angestiegen. Der Durchschnittspreis im dritten Quartal lag bei 1653 Dollar. Damit steuert das Edelmetall auf das zwölfte Jahr in Folge mit einem Wertzuwachs hin. Vor allem in Krisenzeiten kaufen Anleger Gold, weil sie glauben, sich gegen Inflation und Wertverfall absichern zu können. Das World Gold Council ist die Industrievereinigung der Goldminenbetreiber.
Am deutlichsten zeigt sich der Einbruch bei Münzen und Barren. Vor allem im deutschsprachigen Raum sei die Kauflust zurückgegangen, stellt das World Gold Council fest. Deutlich weniger gekauft wurde auch in den USA und in der Türkei. "Die physische Investmentnachfrage in Europa ist gesunken. Es gibt nicht mehr die Sicherheits- und Fluchtkäufe aus Deutschland und der Schweiz, die wir noch im vergangenen Jahr gesehen haben", sagte Grubb. Im dritten Quartal sank der Bedarf um 30 Prozent.
Dass der Investmentbedarf aber nicht verschwunden ist, zeigt sich an den physisch hinterlegten Goldprodukten. Die Nachfrage seitens börsengehandelten Fonds (ETF) stieg von 87,4 auf 136 Tonnen. Nach Zahlen des Datenanbieters Bloomberg erreichte der Bestand an Gold, das von den Fonds gehalten wird, Anfang November einen Rekordstand von 2596,1 Tonnen. Weniger gekauft wurde es hingegen von den Zentralbanken der Welt.
In China, hinter Indien der zweitgrößte Goldkäufer der Welt, sank die Nachfrage deutlich um acht Prozent auf 176,8 Tonnen. Etwas abgeschwächt wurde die Entwicklung aber durch Indien, wo die Kauflust um neun Prozent auf 223,1 Tonnen stieg. Zuvor war die indische Nachfrage drei Quartale in Folge rückläufig gewesen. Laut WGC haben sich die Inder aber inzwischen an den hohen Goldpreis gewöhnt und kaufen deshalb wieder. Im ersten Halbjahr hatte unter anderem eine Streik der Juweliere und eine Steuerdebatte die indische Nachfrage beeinträchtigt. Dementsprechend liegt die Gesamtnachfrage vom Subkontinent immer noch sehr deutlich unter den Werten der Vorjahre.
"Der Rückgang der Chinesischen Käufer korreliert mit den schwächeren Wirtschaftsdaten des Landes im dritten Quartal", sagte Grubb. Es gebe jedoch Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung, weshalb er nicht davon ausgeht, dass sich die Nachfrageschwäche fortsetzt. Deshalb sei auch weiterhin damit zu rechnen, dass China in diesem Jahr erstmals Indien als weltgrößter Goldkäufer überholen wird.