Deutschland besitzt mit 3400 Tonnen Gold die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Doch wo lagert der milliardenschwere Schatz überhaupt? Darüber gibt es seit Jahren wilde Spekulationen. FTD.de war auf Spurensuche. von Peter Vollmer, Frankfurt
Wer seine Hand an die Goldreserven der Bundesbank legen will - derzeit sind das rund 3401 Tonnen mit einem aktuellen Marktwert von 196 Mrd. Dollar -, steht vor einem Problem: Wo ist das Gold der Bundesbank überhaupt? Diese einfache Frage ist seit Jahren Gegenstand wilder Spekulationen. Kritische Geister behaupten, das Edelmetall sei größtenteils in den USA, wo es im Kalten Krieg einerseits möglichst weit weg vom "Eisernen Vorhang" und andererseits auch als ideologisches Pfand für die Bündnistreue Deutschlands zur USA deponiert worden sei. Überkritische Geister ziehen sogar in Zweifel, dass die Bundesbank das Gold überhaupt besitzt.
Ergiebige Minen
Wo Goldschürfer fündig werden
Der Reihe nach: Die großen Goldreserven der Bundesrepublik - laut jüngsten Daten der Minenlobby World Gold Council die zweithöchsten der Welt nach den USA, die mit 8133 Tonnen nochmals mehr als doppelt so viel hält - stammen noch aus den 1950er-Jahren. Mit dem Wirtschaftswunder brummte der Export, viele Staaten bezahlten mit Gold.
1968 hält Deutschland schließlich 4000 Tonnen - es ist der Höhepunkt des deutschen Goldbesitzes. Ein großer Teil dieser Reserven wurde indes nie transportiert, was einerseits logistisch und andererseits auch versicherungstechnisch schwierig ist: Das Gold wechselte lediglich auf den großen Handelsplätzen in New York, London oder Paris den Besitzer, ohne dass sich die dortigen Lagerorte jemals veränderten.
Zu Zeiten des Kalten Krieges erschien es ohnehin zu unsicher, das Gold am Sitz der Bundesbank in der Finanzmetropole Frankfurt zu lagern - gerade einmal 100 Kilometer Luftlinie oder eine Autostunde war jener Punkt entfernt, der im Kalten Krieg den Namen "Fulda Gap" trug - ein Fleckchen an der innerdeutschen Grenze, der sich aufgrund seiner topographischen Gegebenheiten geradezu ideal für einen Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts im Kriegsfall geeignet hätte.
Über die Jahre baute Deutschland die Goldreserven leicht ab, zumal der Preis zwischen 1980 und 2000 nur von gelegentlichen Zuckungen unterbrochen sank. Mit dem Goldpreisanstieg ab 2001 von seinerzeit unter 300 US-Dollar je Feinunze auf 700 US-Dollar im Jahr 2006 und schließlich über 1000 US-Dollar 2008 änderte sich aber die Wahrnehmung von Gold in der Öffentlichkeit, und immer mehr kritische Geister interessierten sich für den Verbleib des Goldbesitzes.
Doch die Bundesbank gab sich schmallippig: Ihr ehemaliger Vorstand Hans-Helmut Kotz sagte dem Magazin Stern 2004: "Der größte Teil unserer Goldreserven wird bei der Federal Reserve Bank, bei der Bank of England und der Banque de France gehalten. In dieser Reihenfolge." So detailliert sollte sich ab diesem Zeitpunkt kein Bundesbank-Vertreter mehr äußern.
Immerhin: Über eine schriftliche Anfrage an die Bundesregierung bekam der Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler im November 2010 zwar auch keine näheren Details über die Lagerorte heraus, erfuhr aber immerhin, dass die Bundesbank ihre Goldbestände in physischer Form hält - und nicht etwa in Form windiger Lieferversprechen womöglich im Krisenfall klammer Banken - und dass Leihgeschäfte allenfalls im niedrigen aktuellen Prozentbereich getätigt würden.
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