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Merken   Drucken   16.11.2012, 11:46 Schriftgröße: AAA

Steigender Preis: Palladium macht Autos teurer

Der Preis für das Weißmetall könnte sich schon bald verdoppeln - auch wegen der enormen Nachfrage der Automobilindustrie. Die mögliche Folge: Der Preis von Katalysatoren wird steigen.
© Bild: 2009 reuters
Der Preis für das Weißmetall könnte sich schon bald verdoppeln - auch wegen der enormen Nachfrage der Automobilindustrie. Die mögliche Folge: Der Preis von Katalysatoren wird steigen.

Auf die Automobilhersteller kommen womöglich hohe Kostensteigerungen bei der Produktion von Katalysatoren zu. Der Grund: Palladium, das genau wie Platin wegen seiner chemischen Eigenschaften ideal geeignet ist für den Bau von Katalysatoren, wird deutlich teurer, schätzen Analysten.

Zwar wird Palladium  auch in der Medizintechnik und Elektroindustrie häufig verwendet. Aber satte 60 Prozent des Palladiumbedarfs entstammen dem Automobilbau. Die Nachfrage der Schmuckindustrie und von Finanzinvestoren fällt dagegen im Vergleich etwa zu Gold gering aus.

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Aktuell kostet eine Unze Palladium 640 Dollar . Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Analysten glauben, dass der Preis 2013 bei 800 Dollar je Unze liegen könnte, für 2015 werden sogar 925 Dollar erwartet. Und die ersten kalkulieren sogar mit einem Rekordhoch von 1125 Dollar.

Der Grund für den erwarteten Preisanstieg ist simpel: Die Nachfrage steigt, das Angebot sinkt. So schätzt das britische Unternehmen Johnson Matthey, dass die Nachfrage in diesem Jahr um 915.000 Unzen größer ausfallen wird als das globale Angebot - dabei hatte es noch im vergangenen Jahr einen deutlichen Überschuss gegeben. Die US-Bank Morgan Stanley  glaubt, dass die Nachfrage 2013 weiter steigen wird: um 1,4 Prozent.

Mit ihren Schätzungen stehen Johnson Matthey und Morgan Stanley mitnichten allein da. Reihenweise sagen die Analysten großer Banken voraus, dass die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage noch größer werden wird; entsprechend haben sie ihre Preisprognosen kräftig nach oben geschraubt.

Einer der wichtigsten Gründe für das Angebotsdefizit sind die Streiks in Südafrika, die jetzt schon seit August andauern. Zunächst auf die Platinminen des britischen Unternehmens Lonmin begrenzt, hatten sich die Unruhen rasch auf den kompletten Minensektor des Landes ausgeweitet. Es geht um höhere Löhne, aber auch um Streitigkeiten zwischen rivalisierenden Gewerkschaften. Insgesamt sind bereits mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen. Inzwischen hat sich die Lage in den Minen zwar etwas beruhigt. Aber die Betreiber haben dermaßen viele Mitarbeiter entlassen, dass mittelfristig die Produktion in Gefahr ist.

Für die südafrikanische Minenindustrie und den Weltmarkt ist der Streik fatal: Aus Südafrika stammen 75 Prozent des weltweiten Platin- sowie 35 Prozent des Palladiumangebots. Zunächst war vor allem der Platinpreis wegen der Streiks deutlich nach oben geschossen, während Palladium sich kaum bewegt hatte. Lange Zeit war Palladium sogar das Edelmetall mit der schwächsten Preisentwicklung seit Jahresbeginn. Seit einigen Wochen aber befindet sich der Preis im Höhenflug.

Das dürfte sich fortsetzen, sind sich Analysten sicher. Denn nicht nur die Unruhen in Südafrika machen Palladium auf Sicht deutlich teurer. So ist auf der Angebotsseite eine enorm wichtige Quelle für den Markt so gut wie versiegt: Der russische Staatsfonds Gochran, jahrelang einer der größten Verkäufer von Palladium, hat seine Vorräte inzwischen komplett verkauft, wie Analysten schätzen.

Und auch die Autoindustrie, die unter dem Preisanstieg stöhnen dürfte, hat ihren Anteil an der Entwicklung: Schließlich ersetzen die Hersteller bei der Fabrikation von Katalysatoren zunehmend Platin durch Palladium. Und da der weltweite Autoabsatz nach Schätzungen der Analysten von LMC Automotive im kommenden Jahr um 5,3 Prozent auf 85,3 Millionen Fahrzeuge steigen dürfte, wächst auch aus dieser Richtung die Nachfrage.

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  • Aus der FTD vom 16.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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