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Merken   Drucken   07.01.2011, 07:24 Schriftgröße: AAA

Strenge Umweltschutzauflagen: China treibt den Preis für seltene Erden

Peking entdeckt in Sachen Rohstoffförderung die Liebe zur Natur: Beim Abbau seltener Erden sollen höhere Grenzwerte für Abwässer eingehalten werden. Nachbarland Japan tüftelt an einer Technik, um die raren Rohstoffe in der Tiefsee zu fördern.
Nach den Ausfuhrbeschränkungen erlässt China auch strenge Umweltschutzauflagen für die Förderung Seltener Erden. Das Umweltministerium in Peking veröffentlichte einen Entwurf mit schärferen Vorschriften für die Bergbauindustrie. So sollen höhere Grenzwerte für Abwässer beim Abbau der speziellen Rohstoffe gelten, die für hochtechnologische Produkte wie etwa Handys, Laptops, Elektroautos oder Lasertechnik gebraucht werden. Die neuen Standards sollen von Februar an gelten und dürften die Ausfuhrpreise erhöhen, berichtet die Tageszeitung "China Daily".
China beliefert den Weltmarkt mit 97 Prozent der seltenen Erden, hat aber seine Exporte stark gedrosselt. Die Ausfuhrquoten, die zu Preissteigerungen und Sorge über die weitere Versorgung wichtiger Industrien geführt hat, sind ein Thema beim Besuch von Chinas Vizepremier Li Keqiang in Berlin, der am Freitag von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) empfangen wird. Am Donnerstag hatte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) die Exportbeschränkungen kritisiert. Er forderte China auf, den Zugang zu Seltenen Erden nicht zu erschweren und die verhängten Maßnahmen zu stoppen.
China begründet die Drosselung der Exporte vor allem mit dem Umweltschutz und der bislang übermäßigen Ausbeutung der Rohstoffe. Rücksicht auf die Natur sowie strategische und wirtschaftliche Erwägungen sind nach Angaben des Sektionschefs im Handelsministerium, Chao Ning, die Gründe, warum es sich China nicht mehr leisten könne, die Last der Versorgung für die Welt zu schultern, zitierte die "China Daily". Obwohl die USA 15 Prozent der Weltreserven an seltenen Erden besitze, hätten sie die Förderung aus Kostengründen eingestellt und seien fast völlig von Lieferungen aus China abhängig.
Japan arbeitet an einem Tiefseeroboter
China sorgt sich auch darum, dass seine Vorkommen an seltenen Erden eines Tages erschöpft sein könnten. Es besitzt rund 30 Prozent der Weltreserven. Für dieses Jahr hat das Handelsministerium zunächst eine im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent niedrigere Quote für die erste Runde der Rohstoffexporte beschlossen. Je nach Zeitraum und Einbeziehung von Unternehmen, die nicht in chinesischer Hand sind, könnte der Rückgang aber bis zu 35 Prozent ausmachen. Üblicherweise gibt es noch eine weitere Runde mit neuen Quoten.
Unterdessen arbeitet Japan an der Entwicklung eines Tiefseeroboters zur Förderung von selten Erden in seinen Hoheitsgewässern. Mit Hilfe eines Pumpsystems sollen die speziellen Rohstoffe über ein Tiefseerohr zu einem Schiff emporgefördert werden. Die japanische Tageszeitung "Yomiuri Shimbun" berichtet, dass noch im laufenden Jahr mit einem ersten Test begonnen werden soll. Nach rund zehn Jahren soll die neue Technologie zur Marktreife gelangen.
Mit der Entwicklung sei vorrangig die der Energiebehörde unterstellte Japan Oil, Gas and Metals National Corporation (JOGMEC) befasst. Unter dem Meeresboden nahe der südjapanischen Inselprovinz Okinawa oder auch der nahe Tokio gelegenen Halbinsel Izu würden große Verkommen an Hochtechnologie-Metallen und anderen Erzen vermutet, hieß es. Der in der Entwicklung befindliche ferngesteuerte und mit Ketten angetriebene Roboter zum Abbau der Erze könne in einer Tiefe von bis zu 2000 Metern eingesetzt werden. Die Entwicklungskosten für das neue System werden auf etwa 20 bis 30 Mrd. Yen (275 Mio. Euro) veranschlagt, so das Blatt.
Japan arbeitet mit Hochdruck daran, sich unabhängiger von seltenen Erden aus China zu machen. China hatte seine Exporte dieser Rohstoffe nach Japan im vergangenen September vorübergehend ausgesetzt, als ein Streit zwischen Peking und Tokio über die Kollision eines chinesischen Fischerboots mit einem Schiff der japanischen Küstenwache in einem umstrittenen Seegebiet aufgeflammt war.
  • dpa, 07.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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