Wenn es irgendwo mit der Ölförderung hakt, ist Saudi-Arabien meist schnell dabei, die Ausfälle zu kompensieren. Aber das könnte bald teurer werden: Der Wüstenstaat hat seine Preisvorstellungen für ein Fass Öl deutlich erhöht.
von Frank Bremser
Wenn der Irak nicht mehr liefern kann, wenn Libyen im Bürgerkrieg versinkt, wenn der Iran die Straße von Hormus dicht macht - für alle Widrigkeiten, die einen höheren Ölpreis bedeuten könnten, hat die westliche Welt eine Lösung. Und die heißt Saudi-Arabien. Bislang war stets darauf Verlass, dass der größte Ölproduzent der Welt seine Pumpen ein wenig schneller laufen lässt und die hungrige Welt mit dem Schmierstoff zu einem günstigen Preis versorgt.
So auch diesmal: Angesichts der Unruhe über eine mögliche Schließung der Straße von Hormus durch den Iran versprach der saudi-arabische Ölminister Ali Naimi in einem Interview mit "CNN", dass sein Land jeden Ausfall, der durch Sanktionen gegen den Iran entstehen könnte, auffangen werde. Dies Entscheidung könnte jedoch für Unmut innerhalb der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) sorgen: Der Iran hatte am Wochenende seine arabischen Nachbarn davor gewarnt, im Falle von Sanktionen gegen die islamische Republik die Fördermengen hochzufahren.
Weltwirtschaft
Die Nadelöhre des Öltransports
Doch vor allem ein anderer Satz ließ die Analysten aufhorchen. Demnach könnte sich zumindest der günstigen Preis bald ändern. Naimi kündigte auch an, der Zielpreis seines Landes liege nun bei 100 Dollar je Barrel (159 Liter). Bislang lag die Vorstellung eines angemessenen Preises für die Saudis bei 75 Dollar.
Naimi sagte dem Fernsehsender: "Wenn Produzenten und Konsumenten es schaffen, den Preis im Bereich von 100 Dollar zu halten, wäre die Weltwirtschaft in einem deutlich besseren Zustand, als sie jetzt ist." Derzeit kostet ein Barrel der US-Sorte WTI knapp 100 Dollar, die Nordseesorte Brent notiert bei rund 111 Dollar. Analysten spekulieren nun darüber, ob Naimi mit den 100 Dollar eine Mindest- oder eine Höchstgrenze formuliert hat.
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