Infografik - Was Libyen für den Ölmarkt bedeutet
Für die langfristige Entwicklung der Kapitalmärkte lassen sich drei Trends erkennen. Der eine betrifft die Staaten in Nordafrika. Jeder einzelne von ihnen ist relativ klein. Zusammen genommen haben sie aber eine Bevölkerung von 150 Millionen. Das ist mehr als Russland. Die Arabische Liga hat sogar 330 Millionen Einwohner, so viel wie das Euro-Gebiet. Das sind Größenordnungen, die weltwirtschaftlich ins Gewicht fallen.
Priorität in diesen Ländern hat nach der Wiedergewinnung der Freiheit nunmehr die bessere Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und sonstigen Verbrauchsgütern. Darüber hinaus müssen Arbeitsplätze geschaffen werden. Das erfordert den Auf- und Ausbau neuer Industrien, vor allem im Konsumgüterbereich. Dazu sind Importe notwendig. Die Länder werden zusammengenommen zusätzliche Leistungsbilanzdefizite haben.
Das bedeutet mehr Kapitalnachfrage. Gebraucht werden vor allem Direktinvestitionen. Auf Dauer geht es aber auch um Mittel von den internationalen Bondmärkten. In den Ländern gibt es zwar eigene Kapitalmärkte, die an der Beschaffung von Finanzierungsmitteln mitwirken können. Sie werden ausgebaut. Sie sind jedoch jetzt und vermutlich auch in Zukunft relativ klein, sodass sie für die anstehenden Aufgaben bei Weitem nicht ausreichen. Vor allem sind die inländischen Ersparnisse zu gering.
Der zweite Trend ist quantitativ wichtiger und betrifft die Ölexporteure der Region. Im Rahmen des Recyclings der Ölgelder haben sie die Industrieländer in den vergangenen 40 Jahren maßgeblich mit Kapital versorgt. Das war für beide Seiten vorteilhaft. Große Unternehmen wie
Daimler ,
Volkswagen ,
Fiat oder
Unicredit bekamen Investoren, die ihre Expansion mitfinanzierten. Als
Hochtief im Abwehrkampf gegen das spanische
ACS einen Weißen Ritter suchte, bot sich Katar an. Als Griechenland Investoren für den Ausbau seiner Infrastruktur benötigte, wandte es sich an Abu Dhabi. Katar hat vor Kurzem versprochen, die spanischen Sparkassen mit 300 Mio. Euro zu unterstützen.