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Merken   Drucken   09.03.2011, 20:18 Schriftgröße: AAA

Unruhen in Nordafrika: Bye-bye, Petrodollar

Kommentar Die Krise in Nordafrika hat negative Folgen für den Kapitalmarkt. Künftig werden die arabischen Ölstaaten ihre Devisen selbst verwenden - und nicht mehr im Westen investieren. von Martin Hüfner
Martin Hüfner ist Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Assenagon Asset Management.
Jeder denkt bei den ökonomischen Wirkungen der Krise in Nordafrika und im Nahen Osten im Augenblick an die höheren Ölpreise und die gestiegenen Unsicherheiten für Konjunktur und Inflation. Daneben gibt es aber auch andere Auswirkungen. Auf den Kapitalmärkten geht eine Ära zu Ende, die die vergangenen 40 Jahre geprägt hat.
Natürlich muss man mit so weit gehenden Schlussfolgerungen vorsichtig sein. Noch ist vieles im Fluss. Niemand kann genau sagen, wie es in Libyen ausgeht, welche Länder sonst noch erfasst werden und wie hoch die Ölpreise noch steigen. Niemand weiß auch, ob die Demokratisierungstendenzen in Tunesien und in Ägypten von Dauer sein werden. Gehen wir einmal davon aus, dass dort alles gut geht.
Infografik - Was Libyen für den Ölmarkt bedeutet   Infografik - Was Libyen für den Ölmarkt bedeutet
Für die langfristige Entwicklung der Kapitalmärkte lassen sich drei Trends erkennen. Der eine betrifft die Staaten in Nordafrika. Jeder einzelne von ihnen ist relativ klein. Zusammen genommen haben sie aber eine Bevölkerung von 150 Millionen. Das ist mehr als Russland. Die Arabische Liga hat sogar 330 Millionen Einwohner, so viel wie das Euro-Gebiet. Das sind Größenordnungen, die weltwirtschaftlich ins Gewicht fallen.
Priorität in diesen Ländern hat nach der Wiedergewinnung der Freiheit nunmehr die bessere Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und sonstigen Verbrauchsgütern. Darüber hinaus müssen Arbeitsplätze geschaffen werden. Das erfordert den Auf- und Ausbau neuer Industrien, vor allem im Konsumgüterbereich. Dazu sind Importe notwendig. Die Länder werden zusammengenommen zusätzliche Leistungsbilanzdefizite haben.
Das bedeutet mehr Kapitalnachfrage. Gebraucht werden vor allem Direktinvestitionen. Auf Dauer geht es aber auch um Mittel von den internationalen Bondmärkten. In den Ländern gibt es zwar eigene Kapitalmärkte, die an der Beschaffung von Finanzierungsmitteln mitwirken können. Sie werden ausgebaut. Sie sind jedoch jetzt und vermutlich auch in Zukunft relativ klein, sodass sie für die anstehenden Aufgaben bei Weitem nicht ausreichen. Vor allem sind die inländischen Ersparnisse zu gering.
Der zweite Trend ist quantitativ wichtiger und betrifft die Ölexporteure der Region. Im Rahmen des Recyclings der Ölgelder haben sie die Industrieländer in den vergangenen 40 Jahren maßgeblich mit Kapital versorgt. Das war für beide Seiten vorteilhaft. Große Unternehmen wie Daimler , Volkswagen , Fiat  oder Unicredit  bekamen Investoren, die ihre Expansion mitfinanzierten. Als Hochtief  im Abwehrkampf gegen das spanische ACS  einen Weißen Ritter suchte, bot sich Katar an. Als Griechenland Investoren für den Ausbau seiner Infrastruktur benötigte, wandte es sich an Abu Dhabi. Katar hat vor Kurzem versprochen, die spanischen Sparkassen mit 300 Mio. Euro zu unterstützen.

Teil 2: Die großen Vorteile der Staatsfonds

  • FTD.de, 09.03.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 10.03.2011 08:00:15 Uhr   Karl Berg: Rettungsschirme entfallen.

    Hallo, vielen Dank für den sehr guten Artikel - knapp und präzise alles auf den Punkt gebracht. Nur eine Sache erschließt sich mir nicht, vielleicht stehe ich aber gerade auch nur auf der Leitung. Warum bitte schön entfallen die Rettungsschirme? Ich würde mich freuen, wenn mir das einer der hier hoffentlich anwesenden Experten erklären kann. Vielen Dank!

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