07.12.2009, 19:44
US-Stellenverluste: Bernanke dämpft Hoffnung auf nachhaltige Erholung
Im November gingen in den USA weniger Jobs verloren als erwartet, was Investoren in regelrechte Euphorie versetzte. Fed-Chef Bernanke tritt dem entgegen und warnt vor "Gegenwinden". Die Rally des Dollars ist erst einmal gestoppt.
von Tobias Bayer Frankfurt
US-Notenbankpräsident Ben Bernanke hat die Konjunktureuphorie der Investoren gedämpft und vor Gefahren für die US-Wirtschaft gewarnt. "Wir haben noch einen gehörigen Weg vor uns, bevor wir sicher sein können, dass der Aufschwung selbsttragend ist", sagte Bernanke am Montag. Risikofaktoren seien die schleppende Kreditvergabe der Banken und der schwache Arbeitsmarkt: "Die Wirtschaft ist mit starken Gegenwinden konfrontiert. Das wird das Wachstum der Wirtschaft begrenzen", sagte Bernanke. Der Dollar gab nach, der Euro kletterte wieder über die Marke von 1,48 $.
Bernanke tritt mit seinen Äußerungen dem Optimismus vieler Anleger entgegen. Am Freitag war bekannt geworden, dass die US-Wirtschaft im November nur 11.000 Stellen verloren hatte. Die Arbeitslosenquote ging von 10,2 auf 10 Prozent zurück. Investoren halten es nun für möglich, dass die Notenbanken - die Federal Reserve eingeschlossen - früher als bisher angenommen - die Politik des billigen Geldes beenden und den Leitzins erhöhen.
Bernanke stellt nun klar, dass die wirtschaftlichen Fortschritte nur begrenzt sind: "Der Arbeitsmarkt bleibt schwach, obwohl die Stellenverluste nicht mehr so hoch sind wie 2008. Die Ausgaben der Haushalte werden nicht schnell zulegen, wenn die Menschen um ihren Arbeitsplatz fürchten", sagte Bernanke.
Hoffnungen auf einen Ausstieg aus der Nullzinspolitik gaben dem Dollar zuletzt Auftrieb. Der Dollar-Index, der den Kurs des Greenback gegenüber den Währungen der sechs wichtigsten US-Handelspartner widergibt, kletterte seit Freitag von 74,6 auf 76 Zähler. Der Euro, der am 25. November noch das Jahreshoch von 1,5144 $ erklommen hatte, fiel zuletzt wieder unter die Marke von 1,48 $ zurück. Optionen, mit denen sich Investoren gegen eine rasante Aufwertung des Dollar wappnen, kosten soviel wie seit knapp einem Jahr nicht mehr.
US-Notenbankchef Ben Bernanke freut sich über Fortschritte, warnt aber vor Rückschlägen
Bernanke und seine Aussagen zum Dollar sind für den gesamten Kapitalmarkt relevant. Insbesondere an den Rohstoffmärkten ist die Entwicklung des Greenback momentan entscheidend. Weil der Dollar zuletzt wieder zulegen konnte, machten die Anleger an den Rohstoffmärkten Kasse. Vor allem der Goldpreis kam von dem Rekordkurs ab, den er Anfang November eingeschlagen hatte. Die Feinunze (31,1 Gramm) verbilligte sich am Montag um bis zu zwei Prozent auf 1135,80 $. Vergangenen Donnerstag hatten die Anleger noch die Rekordsumme von 1226,10 $ bezahlt. Der Preis für leichtes US-Rohöl West Texas Intermediate (WTI) fiel unter 75 $.
Teil 2: Vorsicht auf dem Goldmarkt wächst
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FTD.de, 07.12.2009
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