| Geburtstag: | 26. Januar 1953, Mannheim |
| Klassifikation: | Politiker |
| Nation: | Deutschland - Bundesrepublik |
Herkunft
Reinhard Hans
Bütikofer wurde am 26. Jan. 1953 in
Mannheim geboren und wuchs in Speyer auf. Sein Vater Ernst Bütikofer war Postbeamter, seine Mutter Dora Bütikofer, geb. Vögele, Hausfrau. Die Mutter war sozial in der evangelischen Kirche engagiert.
Ausbildung
B. besuchte Grundschule und ein humanistisches Gymnasium in Speyer, wo er nach einem einjährigen Schulaufenthalt in Kenosha, Wisconsin/USA, 1971 ein altsprachliches Abitur ablegte. Danach studierte er in Heidelberg Philosophie, Geschichte und Sinologie. Das Studium wurde nach zwei Jahren durch den Zivildienst unterbrochen und blieb ohne Abschluss.
Wirken
B. gibt als Beruf schlicht "Politiker" an, das habe er gelernt. In Heidelberg begann sein politisches Engagement als Studentenvertreter. B. war Mitglied in einer maoistischen Hochschulgruppe (1974-1980,
Kommunistische Hochschul- gruppe, KHG) und engagierte sich ab 1982 in der
Grün-Alternativen Liste. 1984 wurde er in den Stadtrat von Heidelberg gewählt und trat kurz danach den Grünen bei. 1988 zog er für die Grünen und seinen Wahlkreis Heidelberg in den Baden-Württembergischen Landtag ein, wo er sich als finanzpolitischer Sprecher seiner Partei profilierte und sich auch bei der Opposition Respekt erwarb. 1996 beendete B. seine Landtagsarbeit, um ein Familienjahr einzulegen. Im April 1997 kehrte er auf die landespolitische Bühne zurück. Er wurde in einer Doppelspitze mit Monika Schnaitmann für zwei Jahre zum Landesvorsitzenden von
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Baden-Württemberg gewählt.
Das Jahr 1998 begann für B. mit Rückschlägen. Er hatte im März auf der Bundesdelegiertenkonferenz der Bündnisgrünen für den "Realo-Flügel" der Partei die Antragsgeschäfte geführt und zur Bosnien-Politik die Hauptrede gehalten. Anschließend wurde er von verschiedenen Seiten zum Sündenbock für den Beschluss gegen den Einsatz von Bundeswehrsoldaten in Bosnien gemacht, der zusammen mit dem Beschluss, einen Benzinpreis von 5 DM anzustreben, zum Einbruch der Partei in den Wahlprognosen führte. Dank seinem "Kämpferherz" (Tagesspiegel, 14.12.1998) steckte B. diese (vorläufige) politische Niederlage ebenso weg wie die gescheiterte Kandidatur für die Europawahl 1999, obwohl er als Mitverfasser der grünen Europawahlprogramme für 1994 und 1999 hervorgetreten war.
Mehr Erfolg hatte er, nachdem seine Partei bei der Bundestagswahl vom 27. Sept. 1998 mit 6,7 % Koalitionspartner der siegreichen SPD geworden war, bei der Wahl zum politischen Bundesgeschäftsführer der Grünen. Im dritten Wahlgang wurde er im Dez. 1998 bei der Bundesdelegiertenkonferenz (BDK) in Leipzig zum Nachfolger Heide Rühles gewählt. Mit der Wahl zum Bundesgeschäftsführer gehörte B. auch dem fünfköpfigen Parteivorstand und dem neu geschaffenen 32-köpfigen Parteirat an. B., der als "wichtiger strategischer Kopf der Grünen gilt, aber auch als begeisterter Taktierer und Strippenzieher" (SZ, 6.1.1999), fiel damit eine Aufgabe zu, die viel innerparteiliche Diplomatie erforderte. Insbesondere in der Frage der Abschaltung von Kernkraftwerken übte B. eine wichtige Vermittlerfunktion aus zwischen der radikalen Basis, die den sofortigen Ausstieg forderte und den ebenfalls uneinigen grünen Fraktionsmitgliedern im Bundestag, die sich nach wochenlangem Streit im Dez. 1999 auf einen Atom-Kompromiss (Laufzeiten von längstens 30 Jahren) einigten. Im Juni 2000 von der BDK mit 52,2 % der Stimmen als Bundesgeschäftsführer bestätigt, gehörte B. automatisch dem neuen, von 32 auf 16 Mitglieder verkleinerten Parteirat an.
Zu B.s Aufgaben gehörte auch die Neuformulierung des 20 Jahre alten Grundsatzprogramms der Partei. Im Febr. 2000 wurde er zum geschäftsführenden Vorsitzenden der Grundsatzprogrammkommission gewählt, die im Juli 2001 den Entwurf für ein neues Grundsatzprogramm bis 2020 vorlegte. B. beschrieb den darin herrschenden Tenor als "realistischen, ökologischen Kurs der linken Mitte" (FAZ, 17.7.2001). Beim Parteitag im März 2002 wurde das Grundsatzprogramm endgültig verabschiedet.
7. Oktober 2002 (MA-Journal) - Der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Reinhard Bütikofer, stellt in einem Brief an die Partei sein Amt zur Verfügung. Letztlich sehe er zu wenig Möglichkeiten, seine Vorstellungen für dieses Amt zu verwirklichen, so Bütikofer in dem Schreiben.
Familie
B. ist seit Juni 2001 mit der Bibliothekarin Renée Krebs verheiratet, Grünen-Landesvorsitzende in Niedersachsen, die zwei Kinder mit in die Ehe gebracht hat. Aus seiner früheren Beziehung mit Henriette Katzenstein hat B. drei Töchter (Emily, geb. 1988, Sibylle, geb. 1990 und Sarah, geb. 1993).
Adresse
c/o BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Postfach 040609, 10063 Berlin
© Munzinger-Archiv GmbH
Aus: Internationales Biographisches Archiv 15/2002 vom 01.04.2002
Letzte Ergänzung durch MA-Journal: 08.10.2002