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Wirtschaftsberichterstattung mit Tradition: Die Geschichte der Financial Times

Die journalistischen Traditionen der "Financial Times" reichen bis ins Jahr 1884 zurück: Der Londoner Verleger Harry Marks bringt in jenem Jahr mit der "Financial News" (FN) die Vorgängerin der heutigen "Financial Times" (FT) auf den Markt.
Die Anfänge 1884
Sein neues Blatt konzentriert sich auf die Vorgänge in der Londoner City und an der Börse, die am Anfang ihrer Erfolgsstory steht. 1888 kommt erstmals eine Zeitung mit dem Namen "Financial Times" in London auf den Markt. Sie wendet sich an den "ehrlichen Finanzier" und den "ehrenwerten Händler". Gegen die etablierte FN kann das neue Blatt jedoch nur mühsam bestehen. Erst 1893 bringt eine brillante Idee den Durchbruch: Der damalige Verleger Douglas MacRae entscheidet, die FT auf lachsfarbenem Papier zu drucken, um sie unverwechselbar zu machen.
Bis zum Ersten Weltkrieg sind FN und FT die beiden führenden Finanz-Tageszeitungen - mit vergleichbarer Auflagen- und Gewinnentwicklung und ähnlich hohem Ansehen. Während des Krieges entwickelt sich die FN zu einem ideologisch gefärbten Propagandablatt. Die FT bleibt in dieser Zeit ihrem eher nüchternen Stil treu und wird so zur "Bibel der Aktienhändler". In den zwanziger Jahren verpflichtet die FN intelligente junge Journalisten und verwandelt sich in ein Medium, das weiter voraus schaut und nachdenklicher ist als die FT. Der neue Chefredakteur Parkinson erfindet die viel beachtete "Lex-Kolumne". Anfang der dreißiger Jahre steht die Zeitung in Zeiten der Wirtschaftskrise vor dem Aus: Während die FT täglich 30.000 Zeitungen verkauft, kommt die FN nicht einmal auf ein Drittel dieser Auflage.
Fusion nach dem zweiten Weltkrieg
1945 die Überraschung: Der FT-Besitzer Lord Camrose bietet seine Zeitung der FN zum Kauf an. Er bezweifelt, dass unter den Nachkriegsbedingungen zwei Finanz-Tageszeitungen überleben könnten. Am 1. Oktober 1945 werden die Zeitungen vereinigt. "Financial Times" setzt sich als Titel durch, das lachsfarbene Papier bleibt als Markenzeichen erhalten. 1957 übernimmt die Verlagsgruppe Pearson die "Financial Times" und erleichtert dem Blatt so den Zugang zu Kapital. Bis 1961 steigt die durchschnittliche Auflage auf mehr als 132.000 Exemplare, das Blatt ist nun als Qualitätszeitung endgültig anerkannt. 1967 erscheinen erstmals Technologie- und Managementseiten sowie eine Sonderseite mit dem Titel "How to spend it" in der FT. Zugleich baut das Blatt seine Auslandsberichterstattung zügig aus. Ende 1972 kann die Zeitung auf eine Auflage von rund 190.000 Exemplaren blicken.
Konsequente Internationalisierung
In den folgenden Jahren integriert die Zeitung Beiträge über Spezialthemen wie etwa den immer wichtiger werdenden Euromarkt. Und sie expandiert international: Von 1979 an wird in Frankfurt eine Ausgabe für europäische und nordamerikanische Leser gedruckt. Der aus dieser Zeit stammende Werbeslogan ("No FT ... No Comment") gilt noch heute als geflügeltes Wort. 1986 übersteigt die Auflage erstmals die Schwelle von 250.000 Exemplaren, wovon rund ein Viertel außerhalb Großbritanniens verkauft wird. Druckorte sind New York, London und Frankfurt. In den neunziger Jahren setzt sich die Internationalisierung fort: So entsteht eine amerikanische Ausgabe der FT, die mittlerweile eine Auflage von über 100.000 Exemplaren verkauft. Heute verkauft die FT täglich über 440.000 Exemplare weltweit. Ein weiteres Investitionsfeld sind die elektroni-schen Medien, die auch in Zukunft großen Einfluss auf die Entwicklung der Financial Times nehmen werden. Im Juli 1999 wird die FT im Rahmen einer Umfrage, die in 50 Staaten der Erde durchgeführt wurde, zur "besten Zeitung der Welt" gekürt.
  • FTD.de, 21.08.2009
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