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Merken   Drucken   30.10.2012, 14:05 Schriftgröße: AAA

Designer Jony Ive: Apples neuer starker Mann

Es ist der größte Umbau in der Apple-Chefetage seit vielen Jahren. Konzernchef Tim Cook weist dem legendären Designer Jony Ive eine  Schlüsselrolle zu. Gemeinsam könnten Cook und Ive die Lücke füllen, die der verstorbene Gründer Steve Jobs hinterließ.
© Bild: 2012 Getty Images/Mike Marsland
Es ist der größte Umbau in der Apple-Chefetage seit vielen Jahren. Konzernchef Tim Cook weist dem legendären Designer Jony Ive eine Schlüsselrolle zu. Gemeinsam könnten Cook und Ive die Lücke füllen, die der verstorbene Gründer Steve Jobs hinterließ.

Als Apple-Gründer Steve Jobs vor gut einem Jahr starb, stand die Frage im Raum: Wer kann ihn in der Rolle des Chef-Visionärs ersetzen? Jetzt gibt es eine Antwort: Der langjährige Chefdesigner Jony Ive.

Der 45-jährige Brite bekommt mit dem aktuellen Umbau im Management zusätzlich die Generalverantwortung für das Software-Design übertragen und rückt damit ins Zentrum des Apple-Universums. Bisher hatte nur Jobs selbst eine solche Machtfülle.

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Konzernchef Tim Cook richtet mit seiner am Montagabend angekündigten Personalrochade Apples Chefetage komplett neu aus. Genauso wichtig wie der Aufstieg von Ive ist auch der Fall seines langjährigen internen Rivalen Scott Forstall. Der Mann, der mit der Softwareplattform iOS das Betriebssystem für die beiden wichtigsten Apple-Produkte - iPhone und iPad - lieferte, ist raus. Er war für den misslungenen Kartendienst verantwortlich, mit dem Apple zuletzt seine Kunden verärgerte.

Forstall, der "Mini-Jobs", muss gehen

Zugleich war er laut US-Medienberichten für einen rüpelhaften Führungsstil bekannt, der unter Apple-Chef Cook offenbar nicht mehr gefragt ist. Jobs konnte sich in seinem Haus vieles erlauben. Sein Weggefährte Forstall, den man "Zauberlehrling" oder "Mini-Jobs" nannte und der sogar das gleiche silberne Mercedes-Coupé fuhr wie Jobs, hat sich offenbar dann doch zu viel herausgenommen.

Ive und Cook als Spitzenteam - das ist die Lösung, die Jobs-Biograf Walter Isaacson schon im vergangenen Jahr für die beste Möglichkeit hielt. Ein einzelner Mann schaffe es definitiv nicht, Jobs zu ersetzen - "aber zwei können es", meinte er in der "New York Times".

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Cook stehe für die "Business-Seite von Steves Gehirn". Ive hingegen verkörpere die künstlerische, emotionale, romantische Hälfte von Jobs, schwärmte Isaacson, der für die Biografie viel Zeit mit dem Apple-Gründer in dessen letzten Jahren verbracht hatte.

Ive mag es minimalistisch

Ive, geboren in London, gehörte nach seinem Industriedesign-Studium in Großbritannien zu den Gründern der Agentur Tangerine. Er orientiert sich stark am Stil von deutschen Designern wie Dieter Rams, der einst bei Braun mit minimalistischen Geräteformen Akzente setzte.

Anfang der 90er-Jahre wurde Ive von Apple zunächst als Berater und dann als Vollzeit-Designer verpflichtet. Seine Stunde schlug aber erst, als Steve Jobs nach der Rückkehr zu Apple 1997 seine Entwürfe in der Werkstatt entdeckte. Fortan verbrachte Jobs viel Zeit mit Ive und stärkte ihm stets den Rücken - zum Beispiel wenn es Streit mit Hardware-Managern gab, denen die Entwürfe des Briten zu aufwendig vorkamen. Auf der Apple-Trauerfeier für Jobs hielt Ive eine der bewegendsten Ansprachen.

Zugleich gilt Ive eher als scheu, und tritt kaum öffentlich auf. Bei großen Produktvorstellungen von Apple ist er meist nur per Videoeinspielung dabei. Vor einigen Monaten wurde spekuliert, der Vater von Zwillingen würde gern mit seiner Familie nach Großbritannien zurückkehren. Nachdem er vor wenigen Monaten ein riesiges altes Haus in San Francisco kaufte, wurde klar, dass er Apple noch länger erhalten bleibt.

Die Kunden dürften den neuen Wind vor allem über das Aussehen der Software von iPhone und iPad zu spüren bekommen. Forstall galt als Freund von Design-Elementen, die echte Strukturen wie Holz, Leder oder Leinen nachahmen. Auch wenn der Trend von Steve Jobs selbst befeuert wurde - dem auf Schlichtheit getrimmten Ive soll das fremd gewesen sein.

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  • dpa, 30.10.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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