Mit dem Einstieg ins Cloud-Computing sind für Unternehmen enorme Chancen verbunden. Wie das Ganze funktioniert, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten sind – und was viele Firmen dennoch zögern lässt.
Ohne IT funktioniert heute kein Unternehmen mehr - so ist es nicht erstaunlich, dass Konzerne riesige Summen für Hard- und Software ausgeben. Der größte Teil wird aber nicht für neue Technik verwendet. "In vielen Unternehmen fließt 70 Prozent des IT-Budgets in die Instandhaltung der alten IT-Infrastruktur", sagt Lars Luck, Partner der Beratungsfirma Roland Berger.
Die Lösung, um die IT flexibler und günstiger zu machen, heißt oft Cloud-Computing. Wenn Firmen diese Angebote nutzen, zahlen sie auch nur für die Rechenkapazität, die sie verwenden. "Unternehmen erzielen im Vergleich zur traditionellen IT-Infrastruktur erhebliche Kostensenkungen durch eine Abrechnung des tatsächlichen Verbrauchs", sagt Luck. Schließlich werden nicht mehr Überkapazitäten finanziert und weitaus weniger Mitarbeiter werden benötigt.
Beispiel Bayer: Der Pharmakonzern betreibt weltweit drei Rechenzentren und beschäftigt 5000 IT-Mitarbeiter; jährlich kostet die IT 1,2 Mrd. Euro. Auch Bayer hat schon Erfahrungen mit Cloud-Anwendungen gesammelt und Software für einzelne Geschäftsprozesse auf Cloud-Lösungen umgestellt. So nutzen Kundenbetreuer das Virtual Contact Center; eine Kundendatensoftware, die Informationen in der Wolke speichert. Damit hat Bayer nach eigenen Angaben die Betriebskosten des Systems auf ein Viertel der ursprünglichen Höhe reduzieren können. Hinzu kommt ein weiterer Vorteil, heißt es im Konzern: "Mitarbeiter können jederzeit und von überall auf die Daten zugreifen und Anfragen ihrer Kunden schnell und einfach beantworten."
Neben niedrigeren Kosten erhoffen sich Konzerne von Cloud-Anwendungen mehr Flexibilität. Steigt etwa wegen einer erfolgreichen Werbekampagne die Nachfrage nach einem Produkt stark, ist der Vertrieb darauf angewiesen, dass kurzfristig zusätzliche Rechenkapazität zur Verfügung steht. Bei einem Cloud-Anbieter lässt sich diese einfach hinzubuchen.
Auch die Effizienz der IT-Infrastruktur soll sich durch Cloud-Anwendungen verbessern. So müssen Updates nicht mehr auf vielen Rechnern ausgeführt werden - das erledigt der Dienstleister automatisch. Genauso sorgt er für Backups, um die Daten zu sichern. "Die Automatisierung der Prozesse ist von großem Vorteil", sagt Kurt Rindle, verantwortlich fürs Cloud-Computing bei IBM: "Die Kunden ersparen sich viele manuell auszuführende Vorgänge." Aus Sicht des Kunden arbeitet das IT-System im Idealfall weitgehend selbstständig.
Von der Cloud erhoffen sich Konzerne zudem strategische Vorteile. So hat Bayer eine Cloud-basierte Lösung fürs Reisemanagement und die Reisekostenverwaltung eingeführt. Sie bietet Funktionen, die der Konzern bei der bisherigen Software nicht hatte. Geben Mitarbeiter für Dienstreisen Geld aus, sammelt das System die Daten, wertet sie aus und erstellt automatisch eine Abrechnung. Das Unternehmen braucht die Quittungen nicht mehr wie früher manuell zu erfassen und auszuwerten. Das System reduziere den Aufwand deutlich, heißt es bei Bayer.
Angesichts der Vorteile erwarten Anbieter, dass Konzerne weitere Teile der IT in die Cloud verlagern. Allerdings wägen die Verantwortlichen in den Unternehmen bei jedem Projekt gewissenhaft ab, ob es in der Wolke wirklich gut aufgehoben ist. Sich bei wichtigen Geschäftsprozessen zu sehr von einem Dienstleister abhängig zu machen - davor scheuen viele IT-Manager eben immer noch zurück.