Ob WAZ Mediengruppe, Gruner + Jahr, Süddeutscher Verlag oder Burda Medien: Kaum ein großer Verlag, der im Zuge der Wirtschaftskrise nicht massiv Stellen eingespart hätte. Viele der entlassenen Journalisten versuchen sich auf eigene Faust durchzuschlagen. Rein von Honoraren für Texte oder Rundfunkbeiträge kann man jedoch kaum leben. Für eine Reportage in einer Zeitung mit einer Auflage von mehr als 200.000 Exemplaren bekommt der Autor zwischen 1,21 Euro und 1,32 Euro pro Zeile. Macht bei 300 Zeilen etwa 475 Euro. Wenn der Journalist ordentlich arbeitet, hat er mehrere Tage dafür recherchiert und geschrieben. Unter dem Strich bleibt ihm dafür ein Tageslohn von oft unter 100 Euro.
Niedrige Löhne treiben Journalisten in Nebenjobs
Unter solchen Bedingungen sei Journalismus nur noch für Idealisten möglich, sagt Kai Schächtele, Vorsitzender der Freischreiber, dem Berufsverband für freie Journalisten. "Ich kenne viele freie Kollegen, die sich den Qualitätsjournalismus für Zeitungen, Zeitschriften oder Rundfunkanstalten nur noch leisten können, weil sie ihr Geld verdienen, indem sie Bücher schreiben, Vorträge halten, Seminare geben oder PR-Aufträge annehmen."
Für Thomas Leif, Vorsitzender des Netzwerks Recherche, ist das ein absolutes Unding: "PR geht nicht zusammen mit Journalismus." Journalist zu sein heißt für ihn beobachten, Informationen sammeln, mehrere Quellen vergleichen und zu einem Urteil kommen. PR hingegen bedeutet "einen Auftraggeber zu haben, der mit einem bestimmten Thema in ein gutes Licht gesetzt werden will. Das Netzwerk Recherche vertritt daher die Norm: Journalisten machen keine PR.
Der Journalist und Buchautor Hajo Schumacher findet diesen Anspruch "edel, aber wirklichkeitsfremd. Journalisten machen fortwährend PR." Er ist der Meinung, dass sich die Berufsbilder von Journalisten und PR-Kräften längst angeglichen haben. "Der Unterschied zwischen Journalisten, die den Renditevorgaben eines Investors gehorchend Advertorials dichten und PR-Kräften, die ein Unternehmen besingen, ist marginal, ihr Auftrag identisch: Man hilft anderen beim Auftritt oder inszeniert den eigenen", schrieb er in seinem Beitrag zur sueddeutsche.de-Serie "Wozu noch Journalismus?".