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  FTD-Serie: Cloud-Computing

Mit dem Einstieg ins Cloud-Computing sind für Unternehmen enorme Chancen verbunden. Wie das Ganze funktioniert, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten sind – und was viele Firmen dennoch zögern lässt.

Merken   Drucken   07.11.2012, 11:33 Schriftgröße: AAA

Telekommunikation: Die Bodenbereiter

Sie bauen Leitungen, wo die Telekom nicht hinkommt: Anbieter wie Inexio versorgen ihre Kunden mit digitaler Infrastruktur. Dank ihnen können auch andere innovative Unternehmen wachsen.
© Bild: 2012 FTD.de/ULISAPOUNTSIS
Sie bauen Leitungen, wo die Telekom nicht hinkommt: Anbieter wie Inexio versorgen ihre Kunden mit digitaler Infrastruktur. Dank ihnen können auch andere innovative Unternehmen wachsen.
von Lars Reppesgaard

Wenn die Bundeswehr Standorte aufgibt und Kasernen schließt, ist das für die betroffenen Kommunen in der Regel eine Katastrophe. Für David Zimmer, Mitgründer des Telekommunikations- und IT-Unternehmens Inexio aus Saarlouis, sind die Standortschließungen dagegen oft eine Chance, neue Märkte zu erobern.

Inexio leistet, was auch Telekommunikationsriesen wie die Telekom , Telefonica  oder 1&1 tun: Das Unternehmen betreibt Rechenzentren und versorgt über eigene Leitungen Haushalte und Unternehmen mit schnellen Internetzugängen. Genau dazu kann Zimmer die Leitungen, die zu den Kasernen führen, gut gebrauchen.

Mehr als 2500 Kilometer modernstes Glasfaserkabel hat Inexio bislang für eigene Citynetze selbst verlegt. Das ist teuer, gerade dort, wo sogenannte weiße Flecken zu erschließen sind, also Orte in Deutschland, an denen noch keine Breitband-Internetanbindung verfügbar ist. Deswegen sind für Zimmer alte Kasernenleitungen so interessant. Wer sich das Verlegen sparen und solche alten Leitungen wiederbeleben kann, ist oft schneller in der Lage, kostendeckend Regionen zu erschließen. Dies ist ein Grund, warum Zimmer kontinuierlich bei Meldungen über Insolvenzen - auch Unternehmensstandorte sind häufig bereits direkt miteinander vernetzt - und Standortschließungen hellhörig wird.

20 bis 30 Prozent der Inexio-Netze stammen laut Zimmer aus Insolvenzmassen oder sind das Ergebnis von Standortschließungen. "Wir sind Experten für die Wiederbelebung totgeglaubter Infrastruktur", sagt er. "Wir kennen viele Wettbewerber und Insolvenzverwalter. Wenn jemand Probleme hat und etwas verkaufen muss, sind wir zur Stelle."

Auf diese Weise Kommunen mit Breitbandleitungen zu versorgen, ist derzeit ein Boomgeschäft. "Vor fünf Jahren, als wir die Firma wortwörtlich in einer Garage gestartet haben, wettete niemand einen Pfifferling auf uns", sagt Zimmer. 2012 plant das Unternehmen mit einem Umsatz von 20 Mio. Euro. 2013 sollen es 30 Mio. Euro werden, 2020 geht Zimmer von 100 Mio. Euro aus. "Dazu müssten wir 1000 Orte mit Leitungen erschlossen haben", sagt Zimmer. "Heute sind es 230." Mit 500 weiteren Ortschaften sind bereits Verträge abgeschlossen.

"Wir beobachten, dass Infrastrukturanbieter, die es schaffen, bestimmte Nischen zu besetzen, im Moment sehr stark wachsen", sagt Dieter Schlereth. Er ist Partner und Leiter der Marktsegmente Technologie, Medien und Telekommunikation bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. "Wir werden etwa für unterschiedlichste Anwendungen immer mehr Bandbreite benötigen. Das Thema Infrastruktur wird somit immer wichtiger, weswegen etwa der Ansatz, den Ausbau von Glasfaserleitungen zu forcieren, sehr erfolgreich ist."

Schnell und nah am KundenEine Reihe von Unternehmen, die Deloitte als schnell wachsende Anbieter in zukunftsorientierten Technologiefeldern identifiziert und als Kandidaten für den Wettbewerb Technology Fast 50 nominiert hat, sind wie Inexio darauf spezialisiert, aus der digitalen Vernetzung in den Regionen ein gutes Geschäft zu machen. Diese Anbieter stellen die Infrastrukturen, die Kommunen im digitalen Zeitalter benötigen, bereit und liefern so die Grundlage dafür, dass andere innovative Unternehmen aus Bereichen wie dem E-Commerce, Smart Energy oder E-Finance überhaupt wachsen können. Doch so schnell wie Inexio, das Siegerunternehmen der Fast-50-Wertung in diesem Jahr, wächst niemand in diesem Segment. Dass Inexio es meisterhaft versteht, alte Infrastrukturen wiederzubeleben, hilft den Saarländern dabei, schnell und zu geringen Kosten zu wachsen.

Der zweite Hebel zur Expansion sind Partnerschaften. Inexio verlegt in der Regel keine Leitung allein. Oft werden gemeinsam mit Autobahnmeistereien, Wasser- und Schifffahrtsämtern Leitungen aufgebaut, um diese Einrichtungen zu vernetzen. Auch diese Leitungen sind dann die Grundlage, um weiße Flecken entlang der Kabeltrassen zu erschließen. "Auf diese Weise haben wir an vielen Orten ein Netz, wo die Telekom keines hat" sagt Zimmer. "Zudem darf auch jeder andere diese Leitungen mitnutzen und über sie seine Leistungen anbieten. So gelingen uns auch Projekte, die große Infrastrukturanbieter nicht kostendeckend umsetzen können."

Prozesskompetenz, die Fähigkeit, Chancen zu nutzen und ein Ohr für die Bedürfnisse der Kommunen sind die Stärken von Inexio und den anderen neuen Infrastrukturanbietern. "Sie haben in der Regel keine technologische Alleinstellung", beschreibt Schlereth diese Unternehmen. "Sie zeichnen sich vielmehr durch Reaktionsschnelligkeit und durch eine extreme Kundenorientierung aus. Sie sind nah am Kunden und entwickeln gemeinsam mit ihm Produkte - das ist ihre Stärke."

Das trifft auch auf die BIG Medienversorgung zu. Sie steht beim Fast-50-Ranking auf Platz zwei, wächst also am zweitschnellsten. Allerdings verlegt das Unternehmen aus Mönchengladbach keine Glasfaserkabel. Es ist darauf spezialisiert, Liegenschaften wie Wohnblocks durch Satellitentechnik zu vernetzen. "Die Hausnetze werden heute nicht mehr nur für die Fernsehversorgung gebraucht, sondern auch für Hausnotrufe, Rauchmelder, die Heizungsüberwachung oder die Stromeinspeisung", sagt der Geschäftsführer von BIG, Wolfgang Jäger. "Das heißt, dass die Kabelinfrastrukturen in den Gebäuden erneuert werden müssen. Sie brauchen überall Sternverkabelung und Glasfaser für eine zukunftssichere Bandbreitenreserve."

Ebendies ist das Geschäft von BIG. Das Unternehmen setzt auf optische Satellitenschüsseln, um digitale Signale in die Häuser zu übertragen. Dort werden sie über Glasfasern in die Wohnungen verteilt. BIG hat den Bauprozess dafür eigens perfektioniert. Die Subunternehmen, mit denen es dabei zusammenarbeitet, werden mittels iPad gesteuert. Von den neuen Kabeln in den Wänden bemerken die Mieter fast nichts. Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt für Vermieter und Wohnungsunternehmen: Dank der Satellitentechnik können die Bewohner auf eigene Satellitenschüsseln verzichten. "Die Parabolantennen verschwinden wie von Geisterhand von den Balkons", sagt Jäger. "Und zwar ganz ohne Anwalt, die Mieter montieren sie freiwillig ab."

Welche TV-Angebote, Internet- und Telekommunikationsdienste durch die Leitungen laufen, ist dann Sache von Mieter und Vermieter. "Wir machen nur das, was wir besser können", sagt Jäger. "TV, Internet und Telefonie können andere besser. Die holen wir gerne als Partner ins Boot." Im nächsten Jahr soll die Partnerriege um eine weitere Gruppe von Anbietern erweitert werden: BIG verhandelt derzeit mit Stadtwerken, die über intelligente Stromzähler neue Leistungen für Stromkunden anbieten wollen. Auch für den flexiblen Stromhandel im 21. Jahrhundert soll die neue Infrastruktur als Basis dienen.

  • FTD.de, 07.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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