Von wegen iPad-Killer: Viele Kunden des Amazon-Tablets zeigen sich enttäuscht. Sie klagen über eine schlechte Nutzerführung und geben das Gerät zurück. von Helene Laube, San Francisco
Amazons Einstieg in den von Apple beherrschten Tablet-Markt verläuft offenbar weniger geschmeidig, als vom Onlinehändler dargestellt. Zwar ist der Mitte November eingeführte Kindle Fire nach eigenen Angaben das erfolgreichste Produkt, das der Onlinehändler jemals vorgestellt hat. Enttäuschte Kunden geben das Gerät aber mittlerweile zurück.
Amazon nennt keine genauen Verkaufszahlen. Aber Kunden machen ihrem Ärger in Blogs Luft. Ein Drittel der Kundenkritiken auf Amazon.com sind negativ. Der Kindle Fire erhält zudem teils vernichtende Kritiken von Warentestern. "Der neue Kindle Fire von Amazon.com bietet eine enttäuschend schlechte Nutzererfahrung", schreibt der Experte für Benutzerfreundlichkeit, Jakob Nielsen. Das Gerät könnte "ein Flop" werden, legte der Berater der Nielsen Norman Group in der "New York Times" nach.
Amazon forciert den Einstieg in den Tablet-Markt mit Kampfpreisen, die deutlich unter denen des iPads liegen. Damit rückt der nur in den USA erhältliche Kindle Fire nach dem iPad auf Platz zwei der Verkaufscharts. Amazon fährt die Gegenstrategie zu Apple: Der Internetkonzern nutzt die Hardware, um mehr Inhalte und Produkte zu verkaufen. Dafür ist Amazon-Chef Jeff Bezos bereit, fast 3 Dollar Verlust pro Gerät hinzunehmen. Apple bietet über seinen iTunes-Laden Musik und Filme an, um den Verkauf der Hardware anzukurbeln.
Nutzer und Warentester kritisieren vor allem den Browser des Kindle Fire, der Internetseiten zu langsam lade. Der berührungsempfindliche Bildschirm reagiere nur langsam und sei nur für ganz spitze Finger geeignet. Amazon will in spätestens zwei Wochen ein Software-Update ausliefern, das unter anderem die Bildschirmnavigation verbessern soll.
Trotz der Anlaufschwierigkeiten wäre es verfrüht, Amazons Tablet-Bemühungen abzuschreiben. Die ersten Kindle-Lesegeräte litten ebenfalls unter Programmfehlern und einem lausigen Browser. Diese Mängel wurden in späteren Versionen behoben - und der E-Reader wurde ein Erfolg.
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