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Merken   Drucken   02.09.2010, 18:03 Schriftgröße: AAA

Agenda: Wie Michael Dell seinen Konzern maßschneidert

Vor gut drei Jahren kehrte der Gründer an die Spitze des von ihm gegründeten Computerunternehmens zurück, um ihn zum Komplettanbieter umzukrempeln. Mit der Niederlage im Kampf um 3Par erfährt er einen herbern Rückschlag. von Helene Laube, San Francisco und Thomas Jahn, New York
Michael Dell  ist ein ziemlich hölzerner Rhetoriker, in Gesprächen lässt er sich kaum aus der Reserve locken. Wenn es darum geht, gute Stimmung zu verbreiten, wählt der 45-Jährige jedoch gern starke Worte: "Vor uns liegen gewaltige Möglichkeiten", jubelte der Gründer des PC-Herstellers, als er im Januar 2007 an die Spitze des von ihm gegründeten Unternehmens zurückkehrte, um es aus der Krise zu führen. Den "besten Gegenwert fürs Geld" versprach er seinen Kunden und den Aufbau einer "starken, weltweit operierenden Servicesparte". Geradezu euphorisiert ließ er die Welt wissen: "Ich bin von Dell 2.0 begeistert."
Michael Dell   Michael Dell
Heute, dreieinhalb Jahre später, hat sich die Euphorie gelegt. Der Umsatz des PC-Bauers ist um 13 Prozent gesunken auf zuletzt 53 Mrd. Dollar. Der Gewinn lag bei gerade einmal 1,4 Mrd. Dollar. Die alten Rivalen, Hewlett-Packard  (HP) und IBM , ziehen davon. Und wann immer ein Unternehmen zum Verkauf steht, das Dell  seinen Zielen näher bringen könnte, schlägt ein Kontrahent dazwischen.
So erging es dem Konzern auch am Donnerstag. Dell unterlag im Bieterkampf um den kalifornischen Speicherspezialisten 3Par . Der Rivale HP entschied das Rennen für sich. Seit Dells erstem Gebot vor zwei Wochen hatten sich die beiden Unternehmen immer weiter hochgeschaukelt bis Dell die Notbremse zog.
Für den Gründer und Großaktionär war der Bieterwettstreit mehr als nur ein Kampf um den Kauf einer begehrten Firma. Er wollte beweisen, dass er es schafft, den angeschlagenen Konzern wieder auf Kurs zu bringen und aufzuzeigen, wohin die Reise geht. Das dürfte ihm nun schwerer fallen. Zumal die ursprüngliche Geschäftsidee, PC nach Kundenwünschen zusammenzubauen und per Direktvertrieb zu verkaufen, nicht mehr zieht. Dells Gründerbonus ist verbraucht. Während der Kurs der Apple -Aktie nach der Rückkehr von Steve Jobs  an die Konzernspitze geradezu explodierte, misstrauen die Märkte Michael Dell: Seit Anfang 2007 hat sich der Dell-Kurs halbiert. Der Turnaround dauert vielen Analysten zu lange. "Es hätten zwei Jahre sein sollen, jetzt sind es bereits weit über drei Jahre", sagt Roger Kay vom IT-Berater Endpoint Technologies.
Michael Dell ist eine der Legenden in der amerikanischen IT-Szene. In den 80er-Jahren gründete er seine Firma in einer Studentenbude an der University of Texas. Das Geschäftsmodell war so simpel wie erfolgreich: Interessenten konnten sich ihr Gerät nach Belieben zusammenstellen, das danach gebaut und direkt nach Hause geschickt wurde. Das senkte die Lagerkosten und erhöhte die Margen. Als sich Dell 2004 auf den Posten des Verwaltungsratschefs zurückzog, verkaufte das Unternehmen in den USA mehr PC als die vier nächstgrößten Firmen zusammen.
Drei Jahre später steckte Dell in der tiefsten Krise der Firmengeschichte. Unter Nachfolger Kevin Rollins war das Wachstumstempo zurückgegangen, reihenweise verfehlte der Neue die Prognosen. Asiatische Anbieter wie Acer oder Lenovo überholten Dell mit besseren Produkten und günstigeren Preisen, selbst HP verkaufte irgendwann mehr Rechner als der Pionier.

Teil 2: Einkaufen statt selber wachsen

  • Aus der FTD vom 03.09.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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