77 Millionen Datensätze von Sonys Online-Spieledienst sind futsch. Laut "New York Times" kursieren bei Schwarzhändlern bereits Kreditkartennummern. Sony dementiert - und bangt.
Der Hackerangriff auf Sony hat offenbar eine neue Dimension: Laut Recherchen der "New York Times" erbeuteten Hacker nicht nur 77 Millionen Datensätze mit Kundennamen, Adressen, Nutzernamen und Passwörter, sondern auch 2,2 Millionen Kreditkartennummern. Dem Bericht zufolge hatten Hacker Datensätze für je 100.000 Euro im Netz angeboten - auch an Sony. Das Unternehmen dementierte jedoch.
Der Datenklau könnte gravierende Folgen haben: Falls die Kreditkarten der betroffenen Kunden ausgetauscht werden müssten, würde das die kartenausgebenden Unternehmen laut Schätzungen von Analysten rund 300 Mio. Dollar kosten. Darin inbegriffen wären die Kosten für das Plastik selbst, aber auch der Versand und der Service für die Kundenbetreuung. "Das ist eine erhebliche Summe", sagt Sanjay Sakrahani, Analyst von Keefe, Bruyette&Woods.
In den USA sind es Kreditkartenunternehmen wie Visa und Mastercard selbst, die die Karten herausgeben, somit würde ein Großteil der Kosten auch auf sie zurückfallen. In Deutschland dagegen haften die Banken, die Kreditkartenunternehmen sind hier nur Lizenzgeber.
Derzeit ist aber noch nicht abzusehen, wie teuer das Debakel für die Unternehmen wirklich wird: Denn falls die Kartendaten nicht nur gestohlen, sondern auch tatsächlich zum Einkaufen missbraucht werden, müssen die Kartenausgeber ihren Kunden die ergaunerten Beträge erstatten. Letztendlich würden die Unternehmen das Geld wohl von Sony zurückfordern - auf den Konzern kommen nach früheren Schätzungen von Analysten deshalb ein Schaden von 1,5 Mrd. Dollar zu.
Kreditkarten von MasterCard und Visa
Sony selbst hatte nach dem Bekanntwerden des Datenlecks zunächst betont, dass nach Erkenntnis des Unternehmens keine Kreditkarteninformationen von Kunden in die Hände von Hackern gelangt seien. In der entsprechenden Datenbank habe man keine Zugriffspuren festgestellt.
Später teilte das Unternehmen mit, dass eventuell doch gestohlene Kreditkartendaten so verschlüsselt seien, dass sie nicht von Hackern genutzt werden könnten. Die Prüfnummern der Kreditkarten, ohne die in der Regel keine Geschäfte im Internet möglich sind, seien an anderer Stelle gespeichert, sagte ein Sprecher.
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